The Elder Scrolls V: Skyrim

Mag isch

Schon mal kleine Warnung vorweg: Das hier wird eine längere Kiste. Nicht nur, weil Skyrim als fünfter und aktuell letzter Teil der Elder Scrolls-Hauptreihe wohl das bekannteste Rollenspiel der jüngeren Vergangenheit darstellt. Erfolge wie das fantastische The Witcher 3 oder das nicht minder großartige Baldur’s Gate 3 verdrängen zwar langsam das mittlerweile 13 Jahre alte Spiel von seinem Chefsessel, aber mit seinen ständigen Re-Releases sorgt Publisher Bethesda dafür, dass der Ausflug nach Himmelsrand nicht ganz so schnell in Vergessenheit gerät.

Nein, auch der Soundtrack von Jeremy Soule sollte sich, wie für die Serie üblich, in das kollektive Gedächtnis der Gaming-Community einbrennen – und das letzte große Werk des Komponisten im Videospielbereich darstellen. In meiner Review zu Star Wars: Knights of the Old Republic hatte ich bereits über die Vorwürfe von sexuell Missbrauchs gegen Soule gesprochen, die ihn von der Bildfläche haben verschwinden lassen. Wenn ihr mehr über meine Ansicht zum Thema Künstler*in und Kunstwerk lesen wollt, schaut gerne in mein dazugehöriges Über Cancel Culture.

Der Score

Mit diesem Thema aus dem Weg, lasst und direkt zum Soundtrack kommen. Dieser umfasst satte 53 Tracks und fällt damit ungewöhnlich umfangreich aus – unerwartet, aber definitiv nicht unwillkommen. Die Dauer von knapp 3,5 Stunden kann dabei etwas irreführend sein. Denn nicht nur haben wir, wie schon bei den Vorgängern, ein paar ‚belanglose‘ Ambient-Stücke zwischen den ganzen Meisterwerken. Nein, zusätzlich dazu gibt es einen 42-minütigen Track genannt Skyrim AtmospheresJeremy Soule1 mit … atmosphärischen Fantasywelt-Impressionen, wer hätte es gedacht?

Qualitativ konnte Soule derweil aus dem Vollen schöpfen und im Vergleich zum bereits großartigen The Elder Scrolls IV: Oblivion, mindestens gleichziehen. Während ich die Musik zum Vorgänger ebenfalls liebe und noch etwas nostalgischer darauf zurückblicke, ist sie, wenn man gemein sein möchte, typische Fantasykost. Sehr hochwertige Fantasykost, wohl gemerkt, aber eben etwas stereotyp. Die Klangkomposition, das Feeling, alles wirkt hochstilisiert und damit künstlich, weil es eine fiktives Szenario beschreibt.

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Skyrim schafft es indes, diesen Mantel des Erwartbaren von sich zu werfen, indem es uns ins Weltliche transportiert. Der Score entführt uns, einem Unravel nicht unähnlich (Imperial ThroneJeremy Soule4), hoch in skandinavisch anmutende (Klang-)Regionen. In denen zeichnen Sonnenstrahlen die Umrisse der schneebedeckten Gebirge nach, während auf der Alm und unten im Tal das Leben stattfindet … eben wie im Spiel. Wir sehen dieses Bild vor unseren Augen, während uns der Score in einen, fast schon trügerischen, Entspannungszustand versetzt – und dann bricht der Kampf los, als ein Drache am Himmel auftaucht. Träumerisches Idyll und erbitterter Überlebenskampf liegen bei diesem Soundtrack so dicht beisammen, wie es nur vielleicht bei Gothic 3 der Fall war, wenn wegen eines Keilers die Hölle losbrach.

Anders als beim direkten Vorgänger sind die Kampftracks aber weniger pathetisch – oder sogar mehr. Was paradox klingt, lässt sich anhand von Stücken wie Blood and SteelJeremy Soule5 und Watch the SkiesJeremy Soule5 ganz gut erläutern: Wuchtige Trommeln und tiefe Bläser künden von der nahenden Gefahr, die Schlacht wirkt ‚barbarisch‘, wirkt roher, als wir es bei Elder Scrolls gewohnt sind. Es ist ein fast schon urzeitlicher Streit, Mensch gegen Bestie, der Kampf ums Überleben. Dieses Schauspiel wird von einem Chor begleitet, dessen männliche Stimmen den archaischen Eindruck verstärken, während die hohen weiblichen Gegenstimmen ihn die Walküren gleich auf eine spirituelle Ebene überhöhen.

Diese Diskrepanz funktioniert hier hervorragend, weshalb sich wohl nicht zuletzt Assassin’s Creed Valhalla einer ähnlichen Richtung bedient. Dessen Score erreicht aber in seinen ruhigen Momenten bei Weitem nicht die Qualität, mit der uns Soule verwöhnt. Wo uns Oblivion mit Stücken wie Through the Valleys, Harvest Dawn und Watchman’s Ease durch unbeschwerte Täler, malerische Küsten und dicht besiedelte Städte führt, bringt uns Skyrim eine zauberhafte wie karge Landschaft näher, die gezeichnet ist von natürlicher Schönheit.

Da ich nicht zuletzt in meiner Top 50 der besten Kampftracks schon ausführlich über One They FearJeremy Soule5 gesprochen habe und auch die restlichen Schlachtbegleitungen (Tooth and ClawJeremy Soule4, Death or SovngardeJeremy Soule4) wortwörtlich in die gleiche Kerbe schlagen, möchte ich mich an dieser Stelle den ruhigeren, nicht minder fantastischen Stücken widmen.

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Allen voran The Streets of WhiterunJeremy Soule5, das es mit seiner bedächtigen Klaviermelodie schon 2020 in meine erste Liste der Top 100 Videospiel-Tracks geschafft hat. Da ich selbst, mehr oder minder begabt, Klavier spiele, gehen mir solche Stücke meistens etwas näher, als es ein aufregendes Gitarrensolo schafft. Allerdings ist das Piano kein Soloakteur, sondern erreicht gemeinsam mit den Streichern und dem Chor himmelsgleiche Sphären, die mich immer wieder zu Tränen rühren. Kaum ein Stück gibt mir so ein heimeliges Gefühl, diese unantastbare Geborgenheit, in die ich versinke, während ich an meine Tage in Skyrim zurückblicke. Dieser Track ist einfach wunderschön.

Ähnlich schön, aber auf eine andere Weise, ist Ancient StonesJeremy Soule5. Was bei The Streets of WhiterunJeremy Soule5 das Motiv der Rückkehr, der Sicherheit, beschreibt, ist hier die Abenteuerlust, die schier unendliche Weite. Soule versteht es, dieser Welt ein Gefühl des Willkommens zu geben, eine Einladung zum Stauen und Entdecken. Herrlich! Gleichsam einladend ist auch AwakeJeremy Soule5, das uns entgegenbrandet und den Beginn unserer Reise in Himmelsrand verkündet.

Dem entgegen stellt SecundaJeremy Soule5 (benannt nach einem der beiden Monde der Welt von Tamriel) eine Form des Innehaltens für mich dar: Die Harfe, begleitet von dem Klavier, fügt eine fast schon meditativ spirituelle Ebene hinzu, wie ein leiser Tanz im Mondlicht. SolitudeJeremy Soule5 verfolgt einen ähnlichen Ansatz, geht durch seinen Einsatz von Streichern und Vocals jedoch sogar fast in Richtung Bedauern. Wie eine Klage erhebt sich das Orchester in der Mitte des Stücks und lässt bei mir Erinnerungen an Howard Shores Arbeit für Der Herr der Ringe wachwerden.

Trotzdem bleibt Soule dem Stil der Elder Scrolls-Serie treu: Nicht zuletzt in Form des bekannten Motivs im Theme Song DragonbornJeremy Soule5, das er schon bei Morrowind als Nerevar Rising (bzw. Call of Magic) einführte und in Reign of the Septims aus Oblivion fortsetzte. Das Theme vom Letztgenannten taucht dann erneut in Unbroken RoadJeremy Soule4 auf, während Wind Guide YouJeremy Soule4 eine Anlehnung an Minstrel’s Lament darstellt (ebenfalls Oblivion). The Jerall MountainsJeremy Soule3 wiederum greift das Theme aus Through the Valleys (Oblivion) auf, was seinerseits ein Nicken in Richtung Rise to Reality (bzw. Silt Sunrise) aus Morrowind darstellte.

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So zieht sich die TES-DNS, die Soule 2002 mit Morrowind begründete, bis zum aktuell letzten Ableger der Hauptreihe. Ob sich dies mit dem sechsten Teil fortsetzen wird, der gerüchteweise irgendwann 2028 erscheinen soll, bleibt unklar. Immerhin ist das ja auch beim Handyableger Blades (Inon Zur) sowie dem MMORPG The Elder Scrolls Online (Brad Derrick, Rik Schaffer) geglückt, das nach wie vor gleichermaßen mit Erweiterungen und qualitativ hochwertiger Musik versorgt wird.

Kommen wir also zu Fazit: Der Soundtrack zu The Elder Scrolls V: Skyrim ist absolute Spitzenklasse. Das liegt nicht nur an zauberhaften Motiven und kraftvoll unbändigen Actiontracks, sondern auch an der Weitsicht, die Musik näher an der Realität anzusiedeln. Es wird einfach nicht langweilig, sich in dieses auditive Idyll zu versetzen, das Soule mit dem Album heraufbeschwört. Ich persönlich kann jedes Mal versinken, wenn eine der vorsichtigen Noten erklingt – nur um beim nächsten Track mit haaresprießender Brust aufzuspringen und mich dem Kampfe zu stellen. Ein höchst sehenswerter Anblick wegen eines höchst hörenswerten Scores!

01
Dragonborn
Jeremy Soule
5 03:55
02
Awake
Jeremy Soule
5 01:29
03
From Past to Present
Jeremy Soule
4 05:03
04
Unbroken Road
Jeremy Soule
4 06:20
05
Ancient Stones
Jeremy Soule
5 04:42
06
The City Gates
Jeremy Soule
4 03:44
07
Silent Footsteps
Jeremy Soule
2 02:50
08
Dragonsreach
Jeremy Soule
4 02:19
09
Tooth and Claw
Jeremy Soule
4 01:46
10
Under an Ancient Sun
Jeremy Soule
3 03:35
11
Death or Sovngarde
Jeremy Soule
4 02:56
12
Masser
Jeremy Soule
3 06:03
13
Distant Horizons
Jeremy Soule
3 03:50
14
Dawn
Jeremy Soule
3 03:55
15
The Jerall Mountains
Jeremy Soule
3 03:16
16
Steel on Steel
Jeremy Soule
4 01:41
17
Secunda
Jeremy Soule
5 02:02
18
Imperial Throne
Jeremy Soule
4 02:15
19
Frostfall
Jeremy Soule
3 03:23
20
Night Without Stars
Jeremy Soule
2 00:41
21
Into Darkness
Jeremy Soule
1 02:49
22
Kyne's Peace
Jeremy Soule
3 03:46
23
Unbound
Jeremy Soule
2 01:32
24
Far Horizons
Jeremy Soule
4 05:25
25
A Winter's Tale
Jeremy Soule
3 03:18
26
The Bannered Mare
Jeremy Soule
4 02:24
27
The Streets of Whiterun
Jeremy Soule
5 04:01
28
One They Fear
Jeremy Soule
5 03:07
29
The White River
Jeremy Soule
4 03:28
30
Silence Unbroken
Jeremy Soule
1 02:20
31
Standing Stones
Jeremy Soule
4 06:38
32
Beneath the Ice
Jeremy Soule
2 04:12
33
Tundra
Jeremy Soule
4 03:46
34
Journey's End
Jeremy Soule
4 04:06
35
Before the Storm
Jeremy Soule
3 01:03
36
A Chance Meeting
Jeremy Soule
3 03:09
37
Out of the Cold
Jeremy Soule
3 03:01
38
Around the Fire
Jeremy Soule
4 03:09
39
Shadows and Echoes
Jeremy Soule
1 02:17
40
Caught Off Guard
Jeremy Soule
5 01:09
41
Aurora
Jeremy Soule
4 07:18
42
Blood and Steel
Jeremy Soule
5 02:09
43
Towers and Shadows
Jeremy Soule
3 02:21
44
Seven Thousand Steps
Jeremy Soule
2 01:05
45
Solitude
Jeremy Soule
5 02:09
46
Watch the Skies
Jeremy Soule
5 02:16
47
The Gathering Storm
Jeremy Soule
4 02:52
48
Sky Above, Voice Within
Jeremy Soule
4 03:54
49
Death in the Darkness
Jeremy Soule
2 02:37
50
Shattered Shields
Jeremy Soule
1 02:37
51
Sovngarde
Jeremy Soule
5 03:33
52
Wind Guide You
Jeremy Soule
4 09:02
53
Skyrim Atmospheres
Jeremy Soule
1 42:32

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