SpellForce 2: Faith in Destiny

Cover

SpellForce 2: Faith in Destiny

Komponist*in: Josef Altersberger

1,5 / 5

Vom Glauben abgefallen

Im Vergleich zum sehr guten SpellForce 2: Dragon Storm, hätte ich auf das Faith in Destiny-Addon sehr gut verzichten können. Aufgrund des Pleitegangs von Publisher Jowood, wurde das Spiel nicht mehr von Phenomic produziert, die nach der Übernahme von EA 2006 den Flop BattleForge (2009) rausbrachten, zum Browsergame-Machen verdammt wurden und 2013 geschlossen wurden. Stattdessen wurden die Trine Games mit der Entwicklung des ersten der beiden Standalone-Addons beauftragt. Denn die Rechte der Reihe hatte der Publisher Nordic Games (heute THQ Nordic) gekauft, der daraufhin ungenierte Leichenschändung am stolzen SpellForce 2-Korpus betrieb.

Das Studio – das übrigens nichts mit der Trine-Serie zu tun hat – hatte sich 2008 mit seinen Erstlingswerken, den Erweiterungen Die Gilde 2: Venedig und Gothic 3: Götterdämmerung, bereits einen zweifelhaften Ruf erarbeitet. Nach weiteren „Perlen“ wie Yoga (2009) für die Wii oder Street Cricket Champions 2 (2012) für die PlayStation 2 erschien das für 2010 geplante Faith in Destiny mit zwei Jahren Verspätung, also sechs Jahre nach Release des Hauptspiels.

Die Expansion war trotz okayen Umfangs in allen Belangen schlechter als die Werke von Phenomic und wurde ähnlich freudig von der Fangemeinschaft aufgenommen wie Stiefeltern in Coming-of-Age-Dramen. Das lag auch am ähnlich desolaten technischen Zustand, der schon zum Verriss vom Gothic-Addon seitens der Fachpresse führte – obwohl es damit eigentlich ganz im Geiste des Hauptspiels stand.

Um den Rundum-Fehlschlag zu komplettieren, reichte es nicht, ein Bugfest zu präsentieren, nein, es wurde natürlich auch die Komponisten-Riege ausgetauscht – vermutlich notwendigerweise. Denn Dynamedion war in der Zwischenzeit, nicht zuletzt wegen des fantastischen Scores zu SpellForce 2, zu einer renommierten Marke herangewachsen und damit zu teuer für einen simplen Cashgrab geworden.

Der Score

Die undankbare Arbeit, dieses große Erbe anzutreten, fiel Josef Altersberger zu, dessen Diskografie exakt zwei Einträge zieren: SpellForce 2: Faith in Destiny und SpellForce 2: Demons of the Past. Ob er beschloss, seine Karriere nach den beiden Alben an den Nagel zu hängen, ob er untertauchte oder gar seinen Namen änderte, weiß ich nicht. Gerechtfertigt wäre es, wenn man eine ähnliche musikalische Klasse wie die des Hauptspiels erwartet – denn der OST ist nicht sonderlich gut.

Die 19 Tracks des Original Soundtracks sind nicht nur größtenteils sehr kurz, sondern auch nicht sonderlich gut. Zwar bietet Altersberger die erwartbare Klangkulisse von Fantasyklängen, also eine Mischung aus Streichern, Percussion und sogar Chören. Doch die Qualität leidet im Vergleich zu den Meisterwerken von Dynamedion spürbar. Würde das Album allein stehen, könnte man ihm Mittelmäßigkeit unterstellen. Mit Blick auf die Historie der SpellForce-Reihe muss ich jedoch sagen, dass dieses Werk nicht gut ist.

Ich möchte gar nicht zu gemein klingen, schließlich trifft hier ungefähr die Erwartungshaltung eines Schalkefans, nächste Saison Champions League zu spielen, auf die harsche Realität des Tabellenkellers der 2. Liga. Will sagen: Wer Taylor Swift erwartet, wird vermutlich von Ulrike von der Fleischtheke enttäuscht sein, auch wenn sie noch so gut Karaoke kann. Oder noch simpler: Erwartung 10, Realität 3. #Tinder

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Fazit

Spaß beiseite, der Score ist auch abseits des gesetzten Standards für ein Album aus 2012 unterdurchschnittlich. Die Komposition wirkt uninspiriert, belanglos, repetitiv, bemüht dramatisch und fällt gleichzeitig sehr flach aus. Statt eines Orchesters gibt’s hier Töne aus der Dose. Einziger Lichtblick ist The Dream WeaverJosef AltersbergerSpellForce 2: Faith in Destiny4, das mit seinem Pizzicato eine Spur von Mysterium und Tiefe verspricht. Aber selbst da bleibt der OST hinter dem schelmischen Treiben eines Trine zurück. Da ist es fast schon tröstlich, dass sich die Komposition in gut einer halben Stunde durchhören lässt.

01
Malangar Greens
Josef Altersberger
3 02:12
02
Warrior
Josef Altersberger
2 00:48
03
An Overwelming Foe
Josef Altersberger
3 01:00
04
A Nameless Wave
Josef Altersberger
2 00:52
05
A Demons Dance
Josef Altersberger
3 02:12
06
The Nameless Threat
Josef Altersberger
2 03:00
07
Mystical Fantasy
Josef Altersberger
2 03:00
08
A Fight to the Very End
Josef Altersberger
2 01:00
09
Lose
Josef Altersberger
1 00:24
10
Wastelands of Sorrow
Josef Altersberger
2 02:00
11
Magical
Josef Altersberger
2 00:52
12
The Dream Weaver
Josef Altersberger
4 01:12
13
The Prophecy Is Fulfilled
Josef Altersberger
2 02:12
14
Preparing for the Battle
Josef Altersberger
3 01:12
15
Silence
Josef Altersberger
2 00:24
16
Screaming Souls
Josef Altersberger
2 02:08
17
Tension
Josef Altersberger
3 01:48
18
A Warning
Josef Altersberger
2 01:12
19
Credits
Josef Altersberger
2 01:12

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