God of War II
God of War II
Komponist*innen: Cris Velasco, Gerard Marino, Michael A. Reagan, Ron Fish, Tom Holkenborg
Triumphaler Auftritt
Zwei Jahre nachdem die God of War-Reihe ihr überaus dramatisches Debüt feierte, das in der Krönung von Protagonist Kratos zum neuen Kriegsgott gipfelte, erschien 2007 God of War II und zeigte sich nicht nur optisch, wo die Reise hingehen sollte: Größer, epischer, brutaler war die Devise. Und was ist krasser, als sich nicht nur mit einer Gottheit des griechischen Pantheons anzulegen, sondern sie direkt abzulösen? Richtig, direkt dem ganzen Götterklan den Krieg erklären!
Der Score
Dass sich das auch in der Klangkulisse widerspiegeln würde, ist so erwartbar wie willkommen. Immerhin hatte ich beim Vorgänger noch angekreidet, dass mir der serientypische Bombast etwas fehlt. Zugegeben, beim ersten Teil einer Reihe kann man schlecht von gewohnten Standards sprechen, nichtsdestotrotz ist mein retrospektiver Blick nun mal durch das voreingenommen, wofür God of War heute steht – und das ist eben Epik.
Umso erfreulicher, dass sich die Heerschaar an Komponisten, die den zweiten Teil zusammengetrommelt wurde, einiges Schönes zur Befriedigung meiner niederen Triebe aus den Gehirnwindungen ziehen konnte. Allen voran Cris Velasco, dessen Handschrift wir schon aus Dark Messiah of Might and Magic kennen, schwebt über dem Score. Nehmen wir das tolle The Isle of CreationCris Velasco als Beispiel: Wuchtige Trommeln, begleitet von Geigen und Trompeten und schlussendlich von Chorälen komplimentiert, künden von Epos. Wir sehen, wie sich die Szenerie vor unserem geistigen Auge auftut, während uns die Musik in Wallung bringt. Gleich gibt’s göttliche Grabbefüllung, gleich gibt’s ein Actionfeuerwerk. Der Track steht damit sinnbildlich für das, was diesen Score auszeichnet: die Größe.
Das fängt schon beim Main Theme God of War IIGerard Marino an, das uns einer Wagner-Oper gleich mit einer Klangwand entgegendröhnt und vor Ehrfurcht erstarren lässt, hört dort jedoch nicht auf. Auch das Thema für Antiheld Kratos beginnt, langsam Form anzunehmen, stets begleitet von den wogenden Wehklagen seiner Gegner. Es ist spannend, zu sehen, wie sich die Komponisten scheinbar immer sicherer werden, wohin die musikalische Reise gehen soll, nämlich hin zu mehr großer Orchestrierung und weg von moderateren Tönen, wie wir sie beispielsweise aus Prince of Persia kennen.

The Way of the GodsGerard Marino drischt buchstäblich mit seinen archaischen Hammerschlägen aufs Amboss in eine ähnliche Kerbe wie das Main Theme, auch wenn mir hier The Way of the GodsGerard Marino etwas besser gefällt. Battle for the SkiesMike Reagan ist dagegen chaotisch und unkoordiniert, eben wie ein Kampf im freien Fall. The Summit of SacrificeRon Fish und An Audience with CronosRon Fish erinnern ihrerseits eher an ‚klassisches‘ Videospiel-Drama Marke World of Warcraft oder Dragon Age: Origins, ohne aus dem Stil des Scores auszubrechen.
Tatsächlich ist der OST trotz der Vielzahl an Mitwirkenden erneut angenehm kohärent: Tracks wie das sehr tribalartige Typhon MountainMike Reagan oder auch ruhigere Stücke wie The BathhouseMike Reagan wirken inspirierter als noch im ersten God of War. Generell wurden die zwei Produktionsjahre im Musikdepartment erfolgreich genutzt, um dem Score den nötigen Schliff zu geben, der mir zuvor noch fehlte. Einzig die abschließenden Titel wie das Techno-Mashup Colossus RemixJunkie XL, Tom Holkenborg von Junkie XL, die Deathmetal-Orgie Blood of DestinyShadows Fall von Shadow Falls und das Hip-Hop-Intermezzo God-LikeGeorge 'TraGiC' Doman von George ‚TraGiC‘ Doman fallen komplett aus der Reihe und es hätte sie meiner Meinung nach nicht gebraucht – aber gut, tut ja keinem weh.
Und damit möchte ich diese, vergleichsweise kurze, Review auch beenden, die mich mit dem Gefühl zurücklässt, eigentlich zu wenig gesagt zu haben. Allerdings ist der OST durch seine Uniformität einerseits durchgängig gut, anderseits eben auch schwer zu differenzieren. Am Ende hat man das Gefühl, man wäre gerade einen Marathon nach Athen gelaufen und das Blut muss sich erst mal wieder auf Normaltemperatur runterkochen. Ich empfehle deshalb – wie eigentlich immer – einfach mal reinzuhören. Und wer mir nicht glaubt, kann gerne auch nochmal in diese Review von tvtropes.org reinschauen, die teilt nämlich meine Meinung. So!




