Borderlands

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Borderlands

Komponist*innen: Cris Velasco, Jesper Kyd, Raison Varner, Sascha Dikiciyan

2,5 / 5
Nostalgiebonus
12. Januar 2024

Ernste Anfänge

Als ich vor gut viereinhalb Jahren die Review zu Borderlands 2 schrieb, da tat ich dies zum einen, weil der Soundtrack stellenweise ganz gut gefetzt hat und ich euch etwas bieten wollte (das tue ich heute übrigens immer noch, nur anders). Hauptsächlich war meine Motivation jedoch, dass ich ein Spiel benötigte, dass mit dem Buchstaben B beginnt. Eine b-scheuerte Entscheidung, die sich bei Spielen wie Neverwinter Nights 2 und The Walking Dead: Season 3 – A New Frontier wiederholen sollte.

Seit damals bin ich gedanklich zum Glück etwas gereift und mir ist klar geworden, dass es sinnvoll ist, bei einer Reihe auch am Anfang zu starten – Reboots mal ausgenommen. Die Begründung ist simpel, immerhin lässt sich nur so die musikalische Entwicklung einer Serie oder eines Komponisten besser nachvollziehen. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass das Theme aus Gothic 3 schon in im ersten Gothic auftauchte? Ich unbelesener Naivling sicher nicht! Nervig natürlich für mich, weil ich mich so teils durch Schnarchalben und Staubfänger quälen muss, um zum guten Stuff zu kommen, aber wie oben schon gesagt: ich tu’s ja für euch!

Den Anfang meiner Nachholtour macht also Gearbox‘ Lootshooter aus dem Jahre 2009. Dessen Soundtrack entsprang den Federn von Sascha Dikiciyan, Cris Velasco, Jesper Kyd und Raison Varner, die bei Borderlands 2 und teils ebenfalls Borderlands 3 tätig waren. Dankenswerterweise gibt es tatsächlich einen OST: ein kuratiertes, 27 Tracks langes Album, komplett mit Interpreten-Zuweisung und Beschriftung – love it!

Dessen Inhalt wiederum finde ich nur ‚okay‘. Die Begründung: Er ist teils etwas zu unaufgeregt. Was damals in Anbetracht der völlig überzeichneten Spielwelt und des Gameplay wohl eine absurde Analyse gewesen wäre, empfinde ich mit Blick auf die Weiterentwicklung der Borderlands-Reihe als durchaus gerechtfertigt. Das erste Borderlands war noch nicht diese quietschbunte Techno-Dubstep-Ballerorgie, wie wir sie heute kennen. Borderlands 1 hat beim Wikipedia-Eintrag sogar die Klassifizierung ‚Action Rollenspiel Ego-Shooter‘ erhalten. Rollenspiel!

Der Score

Nein, Gearbox war noch ein gutes Stück von dem entfernt, was die späteren Spiele mal werden sollten. Und so spiegelt der Soundtrack auch mehr Rage als Castle Crashers wider. Der Score ist gesetzter, weniger verspielt. Klar handelt es sich im Kern immer noch um einen Actionshooter, der keine mitreißende Geschichte erzählen will, sondern uns vorrangig immer mehr Waffen anbietet, um Pew Pew zu machen. Aber das fast schon an Star Trek: Der Film oder Alien erinnernde Traveling to the VaultRaison Varner4 mit seinen sphärischen Klängen und dem entfernten Gesang, das wirkt einfach so viel ernster als das, was uns die Nachfolger bieten.

Gleichzeitig sind Ambientstücke wie Welcome to FyrestoneJesper Kyd2, Enter Skags Gully, Traversing the DeepRaison Varner1 und Assaulting Krom’s CanyonRaison Varner2 (dessen Titel Gegenteiliges vermuten lässt) zurückhaltend und entsprechend wenig spektakulär. Sie umreißen eine westernartige Spielwelt und machen Pandora zu einem Abziehbild klassischer Filmtropen  – eben das, was man bei einem Shooter-Score erwarten würde.

Trotzdem werden Spuren der unterschiedlichen Stile der verschiedenen Künstler sichtbar. Während Tracks wie Smoking Out the BunkerSascha Dikiciyan, Chris Valesco4 und Burning Rubber and Shooting BulletsSascha Dikiciyan, Chris Valesco5 des Duos Dikiciyan und Valesco angenehme Dark Messiah-Vibes versprühen, geht Jesper Kyd mit PreludeJesper Kyd4 und Welcome to FyrestoneJesper Kyd2 auf bekannten Gitarrenkurs, der Erinnerungen ans erste Assassin’s Creed wach werden lässt.

Was ich jedoch absolut nicht nachvollziehen kann, ist, dass der Song Ain’t No Rest for the Wicked von Cage the Elephant nicht inkludiert wurde. Der läuft während des sehr stylischen Intros und passt so, so gut zum Spiel, dass er für mich synonym für den Score steht. Mögen es Lizenzgründe sein, mag es eine stilistische Entscheidung gewesen sein, whatever. Das Lied ist geil und fehlt hier. Punkt. 

Um diese Review zu einem Fazit zu bringen: Der Score von Borderlands ist unerwartet ernst, teilweise sogar düster … zumindest im Vergleich zu den Nachfolgern. Mit Blick auf andere Shooter-Kollegen haben wir dennoch ein Actionfeuerwerk, das mit Liedern wie Burning Rubber and Shooting BulletsSascha Dikiciyan, Chris Valesco5 schon zeigt, in welche Richtung es die Reihe verschlagen würde. Spreche ich eine Empfehlung aus? Mhhh joa nee, maximal für die gut bewerteten Actiontracks. Und eben für den Introsong!

01
Prelude
Jesper Kyd
4 04:23
02
Welcome to Fyrestone
Jesper Kyd
2 04:34
03
Enter Skag Gully
Raison Varner
2 02:48
04
Fighting off the Skags
Raison Varner
3 02:22
05
Removing the Bandit Threat
Sascha Dikiciyan, Chris Valesco
3 01:35
06
Traversing the Deep
Raison Varner
1 02:28
07
Fighting Sledge's Minions
Sascha Dikiciyan, Chris Valesco
4 03:14
08
Welcome to the Bunker
Sascha Dikiciyan, Chris Valesco
2 01:30
09
Smoking Out the Bunker
Sascha Dikiciyan, Chris Valesco
4 01:40
10
Burning Rubber and Shooting Bullets
Sascha Dikiciyan, Chris Valesco
5 01:53
11
The Junkyard Vista
Jesper Kyd
2 02:07
12
Welcome to the Trash Coast
Raison Varner
1 02:16
13
The Rakkhive Emerges
Raison Varner
3 02:21
14
Assaulting Krom's Canyon
Raison Varner
2 04:46
15
Battling Krom's Minions
Raison Varner
3 02:15
16
Fighting Krom and His Gun
Sascha Dikiciyan, Chris Valesco
4 02:58
17
Trash the Bandits
Sascha Dikiciyan, Chris Valesco
4 01:11
18
Trash the Bandits Some More
Sascha Dikiciyan, Chris Valesco
3 01:08
19
Welcome to the Wastelands
Jesper Kyd
1 01:36
20
Traveling to the Vault
Raison Varner
4 03:21
21
Destroying the Destroyer
Raison Varner
4 01:38
22
Bring Your Guns [Bonus]
Jesper Kyd
3 02:45
23
Borderlands [Bonus]
Sascha Dikiciyan, Chris Valesco
3 01:32
24
The Old New Haven [Bonus]
Tim Larkin
3 01:41
25
Exploring the Mine [Bonus]
Tim Larkin
3 02:14
26
Exploring the Overlook [Bonus]
Sascha Dikiciyan, Chris Valesco
2 01:36
27
The Threat at Overlook [Bonus]
Sascha Dikiciyan, Chris Valesco
3 01:02

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