Borderlands 2

Cover

Borderlands 2

Komponist*innen: Raison Varner, Cris Velasco, Jimmy Hinson

3,5 / 5
Nostalgiebonus

Knallige Mucke für Knalltüten-Action

Der Lootshooter ist unbestritten ein großartiger Vertreter seiner Zunft. Hier wird die Sammelsucht nach besserem Equipment zur Perfektion getrieben. Gerade im Koop macht das Wetteifern nach den höchsten Schadenszahlen Laune. Das Ballern geht gut von der Hand, die Welt ist herrlich abgedreht und besonders die Charaktere machen die Story recht unterhaltsam.

Bei denen sticht neben Oberfiesling Handsome Jacko auch die Sprengstoffspezialistin Tiny Tina hervor. Die ist zwar noch ein Kind, hat aber bereits viel Scheiße erlebt und den fiesen Banditen auf explosive Weise den Kampf angesagt. Wegen der super Vertonung (zumindest im Original) kommen auch die ernsteren Passagen gut zur Geltung, und ein ums andere Mal hatte ich schon einen Kloß im Hals, als man von ihrer tragischen Hintergrundgeschichte erfährt.

Spätestens beim DLC Tiny Tina‘s Assault on Dragon Keep, wo man eine Runde Pen-&-Paper im Fantasy-Style spielt, war es dann aber um mich geschehen. Stichwort DLCs: Die sind im Großen und Ganzen okay und bringen mehr Content ins ohnehin schon recht lange Hauptspiel. In meinem persönlichen Ranking folgt hier auf Assault on Dragon Keep der Erste, Captain Scarlett and Her Pirate‘s Booty, dann Mr. Torgue‘s Campaign of Carnage und zuletzt Sir Hammerlock‘s Big Game Hunt. Da gibt’s nämlich wenig Story und dafür mehr Sammelaufgaben und Herausforderungen. Wer’s mag, wird aber auch damit seinen Spaß haben.

Das Herzstück der Borderlands-Serie ist meiner Meinung nach aber das gemeinsame Erlebnis mit Freunden im Koop. Für Solisten können das stupide Abfarmen und die recht simplen Queststrukturen schnell eintönig werden. Mit einem Kumpel kann man stattdessen selbst für Unterhaltung sorgen oder sich Ziele setzen. Und natürlich macht es viel mehr Spaß, jemandem die neue, epische Waffe unter die Nase zu halten und ihn dann damit im Duell zu zerschießen.

Insgesamt bietet Borderlands 2 ein Erlebnis, das in dieser Qualität relativ singulär unterwegs ist. Trotz repetitiver Aufgaben auf der Jagd nach Erfahrungspunkten und einem gewöhnungsbedürftigen Comicstil ist das Spiel auch heute noch eine Empfehlung – gerade mit Blick auf den grässlichen Nachfolger Borderlands: The Pre-Sequel. Wie bei der Assassin’s Creed-Reihe ist der zweite Teil eine rundum gelungenere Erfahrung als das erste Borderlands. Hier an den richtigen Stellen verbessert.

Der Score

Kommen wir zur Musik. Für den Soundtrack zeichnet neben Gitarrenmeister Cris Velasco auch Komponist Jesper Kyd verantwortlich, den wir unter anderem von der oben erwähnte Assassin‘s Creed-Reihe kennen. Die 44 Tracks der Extended Edition gehen voll in Ordnung, wirklich herausstechen tut hier aber kaum was. Ein bisschen Techno, ein bisschen Space und hin und wieder auch Western. Die Atmo-Tracks sind wie zu erwarten belanglos. Laune machen dagegen die Actiontracks für die Feuergefechte. Als Beispiel sei hier Dam TopJesper KydBorderlands 25 genannt, das ein wenig Hard-Rock-Feeling ins Einheitsgedudel bringt. Insgesamt ist der Soundtrack aber kein Grund, warum man bei Borderlands Hand anlegen sollte.

Autor Avatar

Fazit

Ja, ich bin streng mit dem Borderlands 2-Album, denn das eigentliche Spiel ist wirklich fantastisch – und die Musik ist es leider nicht. Sie ist gut, nicht schlecht, aber eben auch nicht herausragend. Als spaßige Begleiterscheinung fürs kunterbunte Fratzengeballer taugt sie absolut, Maßstäbe setzt sie aber keine. Und das wäre mit Blick auf die vielen verschiedenen Charaktere durchaus möglich gewesen.


Die Minierweiterungen

Nachdem die vier DLCs Captain Scarlett and Her Pirate’s Booty, Mr. Torgue’s Campaign of Carnage, Sir Hammerlock’s Big Game Hunt und Tiny Tina’s Assault on Dragon Keep die Borderlands 2-Spielerschaft für ein gutes halbes Jahr mit zusätzlichen Inhalten versorgt hatten, entschied sich Gearbox dazu, die folgenden Erweiterungen kleiner zu halten.  Zunächst erschien mit dem Ultimate Vault Hunter Upgrade Pack 2 Anpassungen fürs Hauptspiel, die neben der Erhöhung des Levelcaps von 61 auf 72 auch die neue Karte Digistruct Peak Challenge hinzufügte.

Ursprünglich sollten darauf drei günstigere Mini-DLCs unter dem Namen Headhunter Packs folgen, am Ende wurden es fünf. Diese erschienen zwischen Oktober 2013 und April 2014 und widmeten sich als klassische Season-Updates verschiedenen (amerikanischen) Feiertagen. Da deren Scores umfangstechnisch noch schmaler ausfallen als die der großen Erweiterungen, führe ich sie hier gemeinsam auf. Der letzte DLC, Commander Lilith and the Fight for Sanctuary, der überraschend 2019 erschien, bekommt derweil noch seine eigene Review.

Digistruct Peak Challenge (8-03)

von Raison Varner
Nostalgiebonus
Wertung: 4,0 / 5

Mit Raid on Digistruct PeakRaison VarnerBorderlands 2: Digistruct Peak Challenge4 bietet dieses Update gerade einmal einen neuen Song. Der klingt nach der Instrumentalversion eines Popsongs, was mit den üblichen Problemen der Instrumentalversion eines Popsongs einhergeht. Entweder man findet das eigentliche Lied so geil, dass man es in jeder Variation hören will, oder der Song macht auch ohne Lyrics genug Spaß. Das ist letztlich Geschmackssache. Mir gefällt es, wenn auch nicht auf Top-Niveau. Trotzdem ist es nicht verkehrt, einmal reinzuhören.

TK Bahas Bloody Harvest (0-22)

von Raison Varner
Nostalgiebonus
Wertung: 3,5 / 5

Cover und Titel verraten es bereits: TK Baha’s Bloody Harvestist ein Halloween-Event, das mit dem verstorbenen Charakter TK Baha aus dem ersten Borderlands verknüpft ist. Fragt mich nicht mehr nach den Details; meine Spielerfahrung liegt mittlerweile neun Jahre zurück. Musikalisch orientiert sich der Score eher an Tiny Tina’s Assault on Dragon Keep statt an der typischen Borderlands-Action.

Während die Synthies in The Hallowed HollowRaison VarnerBorderlands 2: TK Baha’s Bloody Harvest3 sogar etwas Bond-Atmosphäre aufkommen lassen, dominieren in Hallowed Hollow CombatRaison VarnerBorderlands 2: TK Baha’s Bloody Harvest4 Streicher sowie Keyboard und Orgel. Wer klassischen Grusel erwartet, wird enttäuscht; stattdessen gibt es eine Mischung, die an Don’t Starve oder Castlevania erinnert. Durchaus hörenswert, wenn auch keine Königsklasse.

The Horrible Hunger of the Ravenous Wattle Gobbler (1-26)

von Cris Velasco
Nostalgiebonus
Wertung: 3,0 / 5

Plot? Keine Ahnung. Da die Mini-DLCs thematisch amerikanische Feiertage aufgreifen, vermute ich, dass sich The Horrible Hunger of the Ravenous Wattle Gobbler um Thanksgiving und einen Truthahn auf Rachefeldzug dreht. Zumindest wirkt die Musik so, da sie irgendwo zwischen Unsere kleine Farm und Rocket League rangiert. Das klingt als geschriebener Satz ebenso skurril wie als Ohrenfutter. Hört am besten selbst rein, ob’s was für euch ist.

How Marcus Saved Mercenary Day (2-17)

von Cris Velasco, Raison Varner
Nostalgiebonus
Wertung: 4,5 / 5

Mit dem Mercenary Day ist aller Wahrscheinlichkeit nach das Borderlands-Äquivalent zu Weihnachten gemeint. Entsprechend behandelt How Marcus Saved Mercenary Day wohl die schönste Zeit des Jahres, wenngleich der dazugehörige Score dies kaum aufgreift. Wer Glöckchen, Streicher oder Chöre erwartet, wird enttäuscht. Stattdessen erwartet die Hörenden eine Mischung aus Overlord und brachialen Beats.

Besonders gefällt mir The Abominable Mr. TinderRaison VarnerBorderlands 2: How Marcus Saved Mercenary Day5. Zum einen wegen seines Marchingband-ähnlichen Styles und Synthie-Geswinges, zum anderen, weil man mich auch auf Dating-Plattformen so nennt. Der Track ist mal etwas anderes und geht gut ins Ohr. Das Album ist folglich nichts für Feiertagsbegeisterte auf der Suche nach Entspannung, sondern eher für Fans des Hauptscores, die Lust auf Abwechslung haben.

Mad Moxxi and the Wedding Day Massacre (4-11)

von Cris Velasco
Nostalgiebonus
Wertung: 3,5 / 5

Weihnachten ist durch, steht eigentlich nur noch der Valentinstag auf dem Programm. Dass dies in der Welt von Pandora kaum friedlich abläuft, lässt das Massaker im Titel bereits erahnen. Bei der Musik läuft dagegen vieles richtig. Während Rotgut DistilleryCris VelascoBorderlands 2: Mad Moxxi and the Wedding Day Massacre2 noch nach abgestandener Ambient-Kost schmeckt, sorgt der Dudelsack in Rotgut’s in the AirCris VelascoBorderlands 2: Mad Moxxi and the Wedding Day Massacre5 plötzlich für Fluch der Karibik-Stimmung im vertrockneten Wüstenszenario. The Wedding MassacreCris VelascoBorderlands 2: Mad Moxxi and the Wedding Day Massacre4 ist dann wieder klassisch hochwertige Actionmucke, die man in dieser Form mittlerweile von der Serie gewöhnt sein sollte.

Sir Hammerlock vs. the Son of Crawmerax (4-15)

von Jimmy Hinson
Nostalgiebonus
Wertung: 3,5 / 5

Ähnlich wie im DLC Sir Hammerlock’s Big Game Hunt entführt uns die Musik in tropische Jagdgefilde – dieses Mal auf Wam Bam IslandBig Giant Circles, Jimmy HinsonBorderlands 2: Sir Hammerlock vs. the Son of Crawmerax3 mit Tribal-Flair und primitivem Gesang. Und wie bei Mad Moxxi and the Wedding Day Massacre ist der letzte Track The Wam Bam Slamma JamBig Giant Circles, Jimmy HinsonBorderlands 2: Sir Hammerlock vs. the Son of Crawmerax4 – sag das zehnmal hintereinander – erneut die aufgedrehte Kombination aus DLC-Essenz und Borderlands-Beats. Das funktioniert erwartbar gut, auch wenn die Abnutzungserscheinungen mittlerweile deutlich spürbar sind.

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Raid on Digistruct Peak
Raison Varner
4 02:57

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