Dark Souls: Artorias of the Abyss
Abgrundtief gut
Als Prequel ist Artorias of the Abyss in der Dark Souls-Reihe wohl einzigartig. Während Dark Souls 2 und Dark Souls 3 deutlich nach den Geschehnissen vom ersten Dark Souls spielen, verfrachtet uns dieser DLC in die Vorzeit des Landes Oolicle, dessen Zerstörung durch Manus, den Vater des Abgrunds, wir verhindern müssen. Wer beim Lesen dieser Zeilen nun im Fragezeichen-Encounter festhängt, geht es genau wie mir beim Schreiben derselben. Da die Erweiterung durchweg gute Kritiken eingeheimst hat, scheint es den Fans gefallen zu haben. Vielleicht lag das aber auch an der musikalischen Untermalung?
Der Score
Hier bedarf es zunächst einer kurzen Erklärung, denn eigentlich hat Artorias of the Abyss kein eigenständiges Album. Seine acht Tracks werden für gewöhnlich als Teil des OSTs vom Hauptspiel gewertet, was faktisch nicht falsch ist. Als Pedant weigere ich mich aber, hier keine inhaltliche Trennung vorzunehmen, weshalb ich die Alben folgerichtig aufgeteilt und (logischerweise) alle Tracks nach den Credits dem DLC zugeordnet habe. Mit Blick auf die Namen scheint das seine Richtigkeit zu haben.
Als Komponist gilt entsprechend auch hier Motoi Sakuraba, der seinem Stil treu bleibt, auch wenn das Verhältnis Ambient- und Bossmusik etwas in Richtung Atmo-Macher gekippt ist. Das lässt sich vermutlich mit dem im Vergleich zum Hauptspiel geringeren Umfang erklären und ist kein Qualitätsindikator, denn vieles bleibt beim Alten: Wieder viel Bombast (Sanctuary GuardianMotoi SakurabaDark Souls: Artorias of the Abyss, Manus, Father of the AbyssMotoi SakurabaDark Souls: Artorias of the Abyss, KalameetMotoi SakurabaDark Souls: Artorias of the Abyss), wieder viel Drama (Dark SoulsMotoi SakurabaDark Souls: Artorias of the Abyss, OvertureMotoi SakurabaDark Souls: Artorias of the Abyss) und wieder viel Melancholie (Knight ArtoriasMotoi SakurabaDark Souls: Artorias of the Abyss, A Moment’s PeaceYuji TakenouchiDark Souls: Artorias of the Abyss). Tatsächlich tanzt nur Battle of StoicismMotoi SakurabaDark Souls: Artorias of the Abyss mit seiner fast schon behutsamen Art etwas aus der Reihe. Jenseits dessen werden Dark Souls-Fans auch hier musikalisch bestens umsorgt.
Fazit
Sakuraba liefert hier das akustische Äquivalent zum „You Died“-Bildschirm – nur dass man diesmal gerne liegen bleibt, um der Musik zu lauschen. Auch wenn der DLC eher ein kompakter Ausflug in die Finsternis ist, beweist der Komponist, dass er die Klaviatur des heroischen Scheiterns und der tiefen Melancholie perfekt beherrscht. Wer also zwischen dem nächsten virtuellen Ableben kurz durchatmen (oder verzweifeln) will, findet hier die ideale Beschallung. Ein Pflichtbesuch für alle, die den Abgrund nicht nur spielerisch, sondern auch klanglich bis zum Boden ausloten wollen.