Arx Fatalis

Cover

Arx Fatalis

Komponist*innen: Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham

0,0 / 5
Nostalgiebonus
19. Dezember 2023

Arg versemmelt

Wer in seinem Leben noch nie die Worte Arx Fatalis gehört hat, wird zum einen dem Lateinunterricht ferngeblieben sein, und hat zum anderen ein interessantes Spiel der 00er Jahre verpasst. Mit ihrem Erstlingswerk bewiesen die Entwickler der Arkane Studios, die später solche Perlen wie Dark Messiah of Might and Magic, Dishonored oder Deathloop hervorbringen sollten, bereits 2002 ihr Geschick für innovatives Spieldesign.

Ganz im Stile der Ultima Underworld-Spiele befinden wir uns auch in der ‚Verhängnisvollen Festung/Zuflucht‘ (so Arx Fatalis zu Deutsch) in einer unterirdischen Fantasywelt. Natürlich wacht unser Protagonist zu Beginn mit gleichsam leerem Inventar und Gedächtnis in einer Gefängniszelle auf, das erste Ziel ist also klar: entkommen!

Was Videospielanfänge angeht, erreicht diese Kreativleistung zwar gerade einmal die der Anmachsprüche eines Bachelor-Kandidaten zur Paarungszeit, für damals war so ein Einstieg indes noch Usus. Große Backstories sollten erst in späteren Videospielgenerationen wichtig werden, in denen es nicht mehr reichte, dass wir animierte Klötzchen von A nach B bewegen konnten. Arx Fatalis größte Stärke waren die Freiheit der Spielwelt und die schier grenzenlosen Möglichkeiten.

Das fing bei solchen Kleinigkeiten wie dem Craften an, in dem wir beispielsweise aus Teig und Nudelholz einen Kuchen herstellen konnten, über ein neuartiges Schleichsystem bis hin zu dem komplexen Magiesystem, bei dem wir nicht einfach Zaubersprüche auswählen und diese wirken, sondern Begriffe mit dem Cursor aktiv in die Luft zeichnen mussten.

Dabei gab es eine große Anzahl an Runen, die, ähnlich dem Alphabet, für Begriffe standen. So ergab ein einfacher Strich nach links ‚Aam‘, was ‚erschaffen‘ bedeutete. Ein Strich nach rechts erzeugte dagegen die Rune ‚Nhi‘, die sich mit ‚entfernen‘ übersetzen lässt. In Kombination mit anderen Silben konnte man so unterschiedliche Zauber wirken. Zum Beispiel erzeugen ‚Aam‘ (erschaffen) und ‚Taar‘ (liegendes N, Übersetzung: Geschoss) gemeinsam einen magischen Pfeil, der Gegner verletzt. Während das Hinzufügen der Rune ‚Yok‘ (U, Übersetzung: Feuer) daraus einen Feuerball machte, wurde durch ‚Fridd‘ (umgedrehtes U, Übersetzung: Eis) was wohl? Logisch, ein Eisprojektil.

Das Ausprobieren und Kombinieren der unterschiedlichen Silben machte dem jungen Mattis unfassbar viel Spaß und gab ihm zu gleichen Teilen das Gefühl, eine ganze Sprache zu entschlüsseln und für sich nutzbar zu machen, wie es ihm auch die technischen Grenzen eines Rollkugeleingabegerätes aufzeigte. Denn waren die Zeichnungen nicht exakt so, wie das Spiel es sich vorgestellt hatte, wurde statt eines mächtigen Feuerzaubers schnell auch mal einfach eine Flamme gelöscht.

Das eigentliche Frustpotential verbarg sich aber gar nicht in dem Magiesystem, sondern in der offenen Spielwelt. Gerade als Rollenspiel-/Dungeoncrawler-Neuling wurde ich damals von Sinneseindrücken erschlagen und wusste mangels Questmarker nie, was ich als nächstes tun sollte. Da half es auch nicht, dass manche Aufträge sich erst im späteren Verlauf des Spiels lösen ließen. So konnte man beispielsweise das Geburtstagsgeschenk für den traurigen Troll Greu, wie bei Kinderspielen üblich, nicht in den bereits erschlossenen Gebieten oder gar seiner direkten Umgebung finden, sondern erst Stunden später.

Folglich verbrachte ich mehrere Tage damit, besagtem Unglücksraben jeden Gegenstand zu präsentieren, nur um die immergleiche Antwort zu erhalten: ‚Das nix gut Geschenk, Greu immer noch traurig. Burwaka besser Freund als Am Shaegar.‘ Dieser Spruch sitzt fester in meinem Schädel als der Geburtstag meines Vaters. Und ich werde ihn nicht los – also den Spruch. Mir war klar, dass ich Burwaka finden musste … nur wo? Er war nirgends. Und das machte mich fertig.

Tatsächlich bin ich mangels Hilfestellungen aus dem Internet (weil wir das zu jener Zeit ja nicht hatten) irgendwann so an Arx Fatalis verzweifelt, dass ich mich nach zahllosen Versuchen, dem Ausnutzen von Bugs und Glitches und mit schierem Willen schlussendlich an den viel zu starken Trollwachen vorbeibewegen konnte. Endlich! Ich war so glücklich! Ich erkundete mehrere dunkle Schächte, bis ich irgendwann von einem unbesiegbaren Monster durch eine finstere und verlassene Schmiede gejagt wurde. Spielstände hatte ich natürlich überschrieben, meine Frusttoleranz war überschritten. Folglich habe ich Arx Fatalis nie durchgespielt, auch wenn mich beim Gedanken daran doch ein wenig die Lust überkommt … vielleicht hole ich es doch irgendwann nochmal nach.

Genug der Erinnerungen, soll es hier doch um den Soundtrack gehen. Dabei handelt es sich um einen, trotz seines Umfangs recht kurzen Gamerip, der mit 42 Tracks gerade einmal auf eine Dauer von knapp 19 Minuten kommt. ‚Komponiert‘ wurde der von den Geschwistern Kamal und Simon Amarasingham und boy oh boy, ist der kacke. Gut, es handelt sich wie gesagt um einen Gamerip, der nie dafür konzipiert war, das Licht jenseits der Höhlengänge zu erblicken, aber wenigstens etwas Melodie hätte nicht geschadet.

Der Score

Was wir stattdessen hören, ist keine Musik, sondern Ambientstücke. Die bewegen sich aufgrund ihrer teils schlechten Qualität auf dem Niveau einer Tonaufnahme, die in einer Ubahnhaltestelle durch eine Winterjacke erstellt wurde – Unterwasser. Dass die Brüder in Spielen wie Thief: The Dark Project und Thief II: The Metal Age bereits Erfahrung als Audiotechniker sammeln konnten, lässt sich aufgrund der ähnlichen Tonalität zwar erahnen, allerdings glänzten die Scores dieser Spiele auch nicht gerade durch ihren mitreißenden Charakter.

Ja, das entfernte Rauschen der unterirdischen Bäche, das leise Pfeifen des Windes und das diffuse metallene Wummern sorgen für eine vergleichsweise dichte Atmosphäre und ein durchgängiges Gefühl der Beklemmung. Und gerade die SFX-Tracks lösen bei mir wohlige Nostalgieschübe aus. Trotzdem bleibt der Gedanke, dass hier sehr viel Potential verschenkt wurde, um ein interessantes Spiel noch besser, noch erinnerungswürdiger zu machen. Was hätte ich gerne eine Empfehlung ausgesprochen, aber dieses Sammelsurium bleibt für Soundtrack-Enthusiasten definitiv auf der Abschussliste.

01
Intro
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
2 00:30
02
Imprisoned by Goblins
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
2 01:26
03
Goblin City
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:23
04
Cave Theme A
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:15
05
Human Outpost
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:26
06
The Tavern
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
2 00:41
07
Troll Mines
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:28
08
Cave Theme B
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:09
09
Goblin City (Stress)
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:12
10
Greu's Camp
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:23
11
Important Place
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
2 00:30
12
The Temple of Akbaa
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:25
13
The Temple of Akbaa (Depths)
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:24
14
Snakes Arrive
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
2 00:10
15
The Crypt (Level 1)
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:33
16
The Crypt (Level 2)
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:45
17
The Crypt (Level 3)
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:43
18
The Crypt (Level 4)
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:30
19
The Crypt (Level 5)
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:56
20
The Lich
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
2 00:10
21
Fighting
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
2 00:12
22
Fighting [Alternative]
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
2 00:24
23
The Giant Worm
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:14
24
Rebel Hideout
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
2 00:35
25
Rebel Hideout (Tense)
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:33
26
Dramatic Theme
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:15
27
The Noden
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:36
28
The Sisters of Edurneum Outpost
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
2 00:55
29
The Sisters of Edurneum Temple
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:24
30
Lava Caves
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:11
31
The Dwarven City
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:28
32
The Black Beast
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:19
33
Frozen Caves
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:20
34
The Ylside Bunker
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:53
35
Credits
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
2 01:33
36
Mission Complete
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:04
37
Level Up!
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
2 00:08
38
Game Over
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:04
39
SFX 1
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:03
40
SFX 2
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:01
41
SFX 3
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:03
42
Unused Theme
Kemal Amarasingham, Simon Amarasingham
1 00:07

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