Hellblade: Senua’s Sacrifice
Würdiges Opfer
Wir begleiten sie dabei und erleben eine Geschichte, die so in dieser Form selten erzählt wird. Senua ist indes keine Kampfmaschine wie beispielsweise Aloy aus der Horizon-Serie, sondern eine verwundbare junge Frau, deren Schwert kaum etwas gegen die Geister in ihrem Kopf ausrichtet. Mehr möchte ich an dieser Stelle auch nicht erzählen, es ist eine Reise, die man – sofern man das möchte – selbst erleben sollte.
Neben dem tollen Storytelling und der, für ein Indie-Spiel überragenden Grafik, war auch das Sounddesign ein Key-Sellingpoint des Spiels. Die Entwickler haben darauf geachtet, die Immersion auch akustisch zu vertiefen, weshalb uns während unserer Reise immer wieder Stimmen in 360° aus den Kopfhörern bedrängen. Sie flüstern uns zu, sähen Zweifel oder vertiefen Senuas Sorgen und Ängste. Können wir ihnen trauen? Wollen sie uns helfen oder in den Abgrund ziehen?

Der Score
Verstärkt wird diese auditive Erfahrung durch einen Soundtrack, der irgendwo zwischen Dark Ambient und nordischem Folk rangiert. Über weite Strecken darf man sich die Musik des Amerikaners David García Díaz und des Norwegers Andy LaPlegua (eigentlich Ole Anders Olsen) als Blaupause der üblichen Normannen-Sagen wie in der TV-Serie Vikings oder Assassin’s Creed Valhalla vorstellen:
Der Nutzer SamuraiMujuru sieht das auf der Produktseite von GOG ähnlich:
Eine brillante Mischung aus düsterem nordischem Folk und beklemmendem Industrial ist die perfekte Kulisse für diesen emotionalen Fleischwolf von einem Spiel und schafft es, als exzellenter Ambient-Sound auch für sich allein zu bestehen.
SamuraiMujuru

Gemeint ist bei Samurai Mujuru das Stück HelaDavid García Díaz, Passarella Death Squad, das aus Hellblades bekannten, vermeintlich zeitgemäßen Soundkulisse ausbricht und weibliche Vocals, Technobeats und Klavier fürs stereotype Credits-Feeling kombiniert. Zwei weitere Tracks, die etwas aus dem Schema ausbrechen, sind DruthDavid García Díaz und ShadowDavid García Díaz, die beide unterschiedliche männliche Erzähler featuren – für mich ein No-Go in einem Soundtrack, aber gut, gehört zum Spiel und wohl auch zum OST.
„Gehört zum Spiel“ ist derweil eine exzellente wie ungeplante Überleitung zu einem Kritikpunkt am Soundtrack, der mir in diversen Kommentaren entgegengesprungen ist. So haben es zwei besonders gute Stücke nicht ins Album geschafft: Just Like Sleep von Passarella Death Squad (HelaDavid García Díaz, Passarella Death Squad ist wohl ein Remix) sowie Nation von VNV Illusion. Dass Tracks fehlen, liegt leider in der Natur eines OSTs. Wer alles will, muss nach einem Gamerip schauen, der jedoch die Gefahr von viel unkuratiertem Müll birgt.
Müll sind die beiden Stücke derweil nicht und vermutlich haben sie es aufgrund von Lizenzrechten nicht ins Album geschafft. Während Just Like Sleep mir etwas zu sphärisch daherkommt, finde ich Nation richtig gut. Etwas melodramatisch, etwas pathetisch, aber irgendwie auch passend zum Ausklang einer Reise zu sich selbst, nach dem Bekämpfen der eigenen Dämonen und der Suche nach dem eigenen Überlebenswillen.

Mein Liebling im eigentlich OST ist aber SurtrDavid García Díaz, Andy LaPlegua. Dazu schreibt Szafraniec sehr passend, wie ich finde:
SurtrDavid García Díaz, Andy LaPlegua ist ein großartiges Stück, das mich mit seinen Trommeln, Ambossen und natürlich Andy LaPleguas Stimme ohrenbetäubend unter Druck setzte und mir das Gefühl gab, nicht mehr weiterzuwissen. Genau wie River of KnivesDavid García Díaz, Andy LaPlegua oder Sea of CorpsesDavid García Díaz, Andy LaPlegua erzeugt dieses Stück die Atmosphäre eines Kampfes gegen zahlreiche Feinde, die sich über dir auftürmen und dich mit dem ‚Permadeath‘ bedrohen, während immer mehr Wellen langsam auf dich zukommen.
Jan Szafraniec über SurtrDavid García Díaz, Andy LaPlegua




