Borderlands 2
Knallige Mucke für Knalltüten-Action
Der Lootshooter ist unbestritten ein großartiger Vertreter seiner Zunft. Hier wird die Sammelsucht nach besserem Equipment zur Perfektion getrieben. Gerade im Koop macht das Wetteifern nach den höchsten Schadenszahlen Laune. Das Ballern geht gut von der Hand, die Welt ist herrlich abgedreht und besonders die Charaktere machen die Story recht unterhaltsam.
Bei denen sticht neben Oberfiesling Handsome Jacko auch die Sprengstoffspezialistin Tiny Tina hervor. Die ist zwar noch ein Kind, hat aber bereits viel Scheiße erlebt und den fiesen Banditen auf explosive Weise den Kampf angesagt. Wegen der super Vertonung (zumindest im Original) kommen auch die ernsteren Passagen gut zur Geltung, und ein ums andere Mal hatte ich schon einen Kloß im Hals, als man von ihrer tragischen Hintergrundgeschichte erfährt.
Spätestens beim DLC Tiny Tina‘s Assault on Dragon Keep, wo man eine Runde Pen-&-Paper im Fantasy-Style spielt, war es dann aber um mich geschehen. Stichwort DLCs: Die sind im Großen und Ganzen okay und bringen mehr Content ins ohnehin schon recht lange Hauptspiel. In meinem persönlichen Ranking folgt hier auf Assault on Dragon Keep der Erste, Captain Scarlett and Her Pirate‘s Booty, dann Mr. Torgue‘s Campaign of Carnage und zuletzt Sir Hammerlock‘s Big Game Hunt. Da gibt’s nämlich wenig Story und dafür mehr Sammelaufgaben und Herausforderungen. Wer’s mag, wird aber auch damit seinen Spaß haben.
Das Herzstück der Borderlands-Serie ist meiner Meinung nach aber das gemeinsame Erlebnis mit Freunden im Koop. Für Solisten können das stupide Abfarmen und die recht simplen Queststrukturen schnell eintönig werden. Mit einem Kumpel kann man stattdessen selbst für Unterhaltung sorgen oder sich Ziele setzen. Und natürlich macht es viel mehr Spaß, jemandem die neue, epische Waffe unter die Nase zu halten und ihn dann damit im Duell zu zerschießen.
Insgesamt bietet Borderlands 2 ein Erlebnis, das in dieser Qualität relativ singulär unterwegs ist. Trotz repetitiver Aufgaben auf der Jagd nach Erfahrungspunkten und einem gewöhnungsbedürftigen Comicstil ist das Spiel auch heute noch eine Empfehlung – gerade mit Blick auf den grässlichen Nachfolger Borderlands: The Pre-Sequel. Wie bei der Assassin’s Creed-Reihe ist der zweite Teil eine rundum gelungenere Erfahrung als das erste Borderlands. Hier an den richtigen Stellen verbessert.

Der Score
Kommen wir zur Musik. Für den Soundtrack zeichnet neben Gitarrenmeister Cris Velasco auch Komponist Jesper Kyd verantwortlich, den wir unter anderem von der oben erwähnte Assassin‘s Creed-Reihe kennen. Die 44 Tracks der Extended Edition gehen voll in Ordnung, wirklich herausstechen tut hier aber kaum was. Ein bisschen Techno, ein bisschen Space und hin und wieder auch Western. Die Atmo-Tracks sind wie zu erwarten belanglos. Laune machen dagegen die Actiontracks für die Feuergefechte. Als Beispiel sei hier Dam TopJesper KydBorderlands 2 genannt, das ein wenig Hard-Rock-Feeling ins Einheitsgedudel bringt. Insgesamt ist der Soundtrack aber kein Grund, warum man bei Borderlands Hand anlegen sollte.
Fazit
Ja, ich bin streng mit dem Borderlands 2-Album, denn das eigentliche Spiel ist wirklich fantastisch – und die Musik ist es leider nicht. Sie ist gut, nicht schlecht, aber eben auch nicht herausragend. Als spaßige Begleiterscheinung fürs kunterbunte Fratzengeballer taugt sie absolut, Maßstäbe setzt sie aber keine. Und das wäre mit Blick auf die vielen verschiedenen Charaktere durchaus möglich gewesen.