Age of Empires II: The Age of Kings
Kultiges Mittelalter
So durften beispielsweise die Wikinger mit ihren Drachenbooten und Berserkern Angst und Schrecken verbreiten, während die karthagische Kataphrakt-Kavallerie mit ihrem Trampelschaden umstehende Feinde im Vorbeireiten verletzte. Die Mameluken der Sarazenen warfen ihre Säbel und die Perser führten den schwerfälligen wie dickheutigen Kriegselefanten aufs Feld. Und es gab den aus Command & Conquer bekannten Selbstmordattentäter, genannt Petard, der mit zwei Pulverfässern ausgestattet herausfinden durfte, warum er nicht in die feudale Rentenkasse einzahlen musste.
Von den ganzen AoEs hatte ich bis zum Release von Age of Empires IV wohl mit diesem Game sowie seiner Erweiterung, The Conquerors, am meisten Zeit verbracht. Da das Spiel heute noch aktiv gezockt wird, kann man hier wohl von einem Meilenstein der Videospielgeschichte sprechen – und das, meiner Meinung nach, absolut zu Recht. Auch wenn es ‚Zeitalter‘ im Namen hat (immer ’ne schwierige Sache), ist Age of Empires II: The Age of Kings zeitlos. Gleiches gilt darüber hinaus für seinen Soundtrack.
Der Score
Das fängt schon beim Main Themen an, welches sich hinter dem bescheuerten Titel Quest for ButterStephen RippyAge of Empires II: The Age of Kings verbirgt und so ziemlich jedem versierten Gamer bekannt sein dürfte. Das ‚Da Daaa, DaDa Da Daaa … Da Daaa, DaDa Da Daaaaaa‘ ist supersimpel und supereingängig. Zwar lief es bereits im ersten AoE im Intro und anderen Cutscenes, im Score fand es sich fortan aber erst in den Nachfolgern wieder. Wie beim ersten Age of Empires sind wieder die Geschwister David und Stephen Rippy am Werk, hier jedoch ergänzt um Kevin McMullan, der später vor allem an der erfolgreichen Destiny-Reihe mitwirken sollte.

Der 16 Tracks lange OST ist für mich ein wohlig warmes Nostalgiebad, in dem ich versinken und die Seele baumeln lassen kann. Anders als zeitgenössische Strategietitel, oder das durch seine MIDI-Kompression tatsächlich teils deutlich ‚aggressiver‘ klingende Age of Empires 1, zeichnet sich die Musik bei Teil 2 durch eine entspannte, fast schon beruhigende Klangkulisse aus. Da, wie damals üblich, nicht mit Cues zwischen Kampf- und Ambient-Tracks gewechselt wurde, um die Schlachten entsprechend zu untermalen, gibt es keinen harten Bruch zwischen belanglosem Hintergrundrauschen und heroischer Schlachtmusik.
Stattdessen geraten wir in Stücken wie ShamburgerStephen RippyAge of Empires II: The Age of Kings, Drizzle [Firelight Smoove Mix]David Rippy, Stephen RippyAge of Empires II: The Age of Kings oder T StationStephen RippyAge of Empires II: The Age of Kings in einen fast Trance-artigen Zustand. Hier ergänzen sich Beats und (mittelalterliche) Instrumente wie Glockenspiel, Cembalo und Flöte und erzeugen einen Mitwipp-Rhythmus, der fast schon konträr zu den teils hektischen Massenschlachten läuft. Dazu passt auch I Will Beat on Your BehindStephen RippyAge of Empires II: The Age of Kings, das mit seiner Aufmachung ein wenig wie ein Medieval 2: Total War auf Valium klingt.
Dieser Entspannungstherapie stehen Stücke wie Bass BagStephen RippyAge of Empires II: The Age of Kings oder Rich Corinthian LeatherStephen RippyAge of Empires II: The Age of Kings gegenüber, die mit ihrem hohen Tempo auf andere Weise begeistern. Auch Stereotype wie tribal und orientalische Einflüsse in Machina del DiabloStephen RippyAge of Empires II: The Age of Kings, Ride Lawrence Ride!Stephen RippyAge of Empires II: The Age of Kings und Smells Like Crickets, Tastes Like ChickenStephen RippyAge of Empires II: The Age of Kings lockern die Mittelalterstimmung angenehm auf, ohne aus der Komposition herauszufallen. Das tut tatsächlich nur der Abschlusstrack … Where Credit Is DueStephen Rippy, Chris Rippy, Kevin McMullan, Matt StanberryAge of Empires II: The Age of Kings, der wie aus einem Sessions-Album von Simon & Garfunkel feat. Jerry Martin (Die Sims) entliehen klingt. Schmälern tut dies den Gesamteindruck allerdings nicht. Der Soundtrack zu Age of Empires II: The Age of Kings ist Kult.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen: Age of Empires II ist nicht ohne Grund der unangefochtene König des Genres und ein zeitloser Meilenstein der Videospielgeschichte. Während wir mit Kriegselefanten Mauern einreißen oder unsere Petards in den explosiven Vorruhestand schicken, liefert das Trio Rippy, Rippy und McMullan die perfekte Entspannungstherapie dazu. Der Soundtrack schafft das Kunststück, trotz Massenschlachten und Hektik ein wohlig warmes Nostalgiebad zu erzeugen, das mit seinen trance-artigen Beats und mittelalterlichen Klängen auch heute noch hängen bleibt. Ob man nun über Titel wie Quest for ButterStephen RippyAge of Empires II: The Age of Kings schmunzelt oder sich im Rhythmus von ShamburgerStephen RippyAge of Empires II: The Age of Kings verliert – dieser Score ist und bleibt absoluter Kult. Ein akustisches Denkmal, das beweist, dass man für epische Schlachten nicht immer orchestralen Bombast braucht, sondern manchmal einfach nur einen verdammt guten Groove. Ein Muss für jeden, der Strategie nicht nur spielen, sondern auch fühlen will!