Warhammer 40,000: Speed Freeks
Full Trottel
Warhammer muss man vermutlich kaum noch erklären. Die futuristische 40,000-Variante hatte zuletzt mit gefeierten Titeln wie dem Hack-and-Slay Space Marine II, dem isometrischen Rollenspiel Rogue Trader und dem Boomer-Shooter Boltgun bei Fans der Genres und des Franchises gleichermaßen für Dankesgebete an den Imperator gesorgt. Ich persönlich freue mich ja ein wenig auf den Total War-Ableger, der voraussichtlich irgendwann im nächsten Jahr erscheinen dürfte, obwohl mich die Fantasy-Ableger Total War: Warhammer traurigerweise nie so richtig gecatcht haben.
Der Marke geht es folglich blendend, und selbst das ursprüngliche Tabletop ist wieder en vogue. Da fällt es auch nicht so sehr ins Gewicht, wenn zwischen den guten Games hier und da ein paar Gurken erscheinen. Zum Beispiel das eher mittelmäßige Darktide, dessen Versuch, das 4er-Koop-Konzept des Fantasy-Pendants Vermintide zu kopieren, nicht so ganz fruchtete. Oder das im Vorjahr erschienene Rennspiel Warhammer 40,000: Speed Freeks, das so sehr unter dem Radar lief, dass es nicht mal einen eigenen Wikipedia-Artikel bekam.
Das muss allerdings nichts heißen, denn bei Steam steht Speed Freeks – der Name bezieht sich dem Fanwiki zufolge übrigens auf den orkischen „Kult of Speed“ – trotz eines Metascores von gerade einmal 66 und eines User-Scores von 7,1 auf „sehr positiv“. In der dortigen Produktbeschreibung heißt es:
Hochoktanige Kampfrennen im Warhammer 40.000-Universum! Fahre Buggys, Panzer und Hubschrauber, meistere fortgeschrittene Bewegungsabläufe und explosive Waffen online oder gegen Bots. Schalte Ausrüstung frei, passe deine Fahrzeuge an und nutze den NEUEN Workshop.
Genau, richtig gehört: Es ist ein Rennspiel mit Waffen, ein sogenanntes „Vehicular Combat Game“. Wie bei den World of-Spielen von Wargaming – in diesem Fall World of Tanks – steuern wir einen mit grünhäutigem Sachverstand zusammengezimmerten Widerspruch gegen die Gesetze der Mechanik und ballern uns den Weg zum jeweiligen Ziel frei. Das Entwicklungsstudio Caged Element konnte dafür auf seine Erfahrung mit dem 2018 erschienenen Grip: Combat Racing zurückgreifen. Obwohl das Ganze in den Gameplay-Videos im Netz nach kurzweiliger Unterhaltung aussieht, ist das Spiel nichts für mich. Die Musik wiederum ist eine andere Nummer.
Der Score
Ihr steht auf Musik, die richtig abgeht, oder?!! Dann seid ihr beim knalligen Speed Freeks-Soundtrack genau richtig.
Diese Auswahl an Songs stammt aus den rasanten Trailern und dem Menü des Spiels. Mit dabei ist Cave Bat, die unglaubliche Melodien produzieren und dabei die Intensität so hoch halten, wie ein Deffkopta fliegen kann.
Diese Songs sind nicht nur Knaller, sondern haben auch einige wunderschöne Details, die sich durch den Metal ziehen. Ebenfalls dabei ist Frank Klepacki. Was ist das denn? Ja, Frank Klepacki, der den Titelsong für Command & Conquer: Red Alert komponiert hat und im Laufe seiner langjährigen Karriere noch viele andere Killer-Songs geschrieben hat.
Dieser Soundtrack ist kein Witz, Leute. Also schnappt ihn euch jetzt und headbangt, bis euch der Kopf abfällt!
So beschreibt die Steam-Produktseite den dazugehörigen, acht Stücke umfassenden Soundtrack. Mehr muss ich eigentlich auch nicht dazu sagen. Mit Frank Klepacki ist ein Kompositionsveteran an Bord, der sich vermutlich nur zum Schlafen von seiner E-Gitarre trennt. Und selbst das ist reine Spekulation meinerseits. Man könnte dem Mann bei dieser Herangehensweise zu Unrecht Eindimensionalität vorwerfen, schließlich klingen viele seiner bekannteren Stücke durchaus nach dem, was er uns in Speed Freeks präsentiert.
Aber zum einen hat er in seiner langen Laufbahn in Spielen wie Nox (2000), Battle for Graxia (2012), Battle Battalions (2015) und nicht zu vergessen im 1995 erschienenen Monopoly von Westwood bewiesen, dass er die musikalische Klaviatur abseits des Hard Rocks beherrscht; zum anderen passt der brachiale Klang der frühen Command & Conquer-Spiele wie ein Ork zum WAAAGH!-Kriegsschrei.
Man sollte Speed Freeks allerdings nicht vorschnell als reines Klepacki-Ding abheften. Neben ihm tauchen auch The Tiberian Sons in den Credits auf, also jene C&C-affine Videospielmusik-Metal-Truppe, mit der Klepacki bereits das Jubiläumsalbum Celebrating 25 Years of Command & Conquer eingespielt hat. Den Großteil des Albums stemmt jedoch Cave Bat, ein Audio-Projekt um Austin Rowe und Khorwyn Davenport – gleich klingt es trotzdem
Um es mir noch einfacher zu machen, beende ich die Rezension mit dem Beschreibungstext von Bandcamp:
Mit einer Mischung aus Industrial Metal, schweren elektronischen Elementen, hämmernden Percussion-Klängen und adrenalingeladenen Action-Passagen fängt der Soundtrack das pure Chaos aus Schrott zusammengebastelter Kriegsmaschinen ein, die auf ihre glorreiche Zerstörung zurasen.
Fazit
Die Musik von Speed Freeks ist nicht schön und auch nicht besonders. Sie ist weder clever noch feinsinnig, aber auch nicht einfach stumpf. Sie ist genauso sehr C&C wie Grey Goo, Universe at War oder zuletzt Tempest Rising: Hard Rock alter Schule, der auf Dinge wie Individualität oder Einzigartigkeit pfeift und sich headbangend in die uniforme Masse pogender Genrekonventionen wirft. Als echten „Klepacki“ würde ich das Album jedoch nicht bezeichnen; dafür fehlt es ihm an der Wiedererkennbarkeit, die Stücke wie Hell March aus Alarmstufe Rot ikonisch gemacht hat. Wer es noch etwas derber mag, ist bei den Arbeiten von Mick Gordon für Doom von 2016, die neueren Wolfenstein-Spiele oder Atomic Heart besser aufgehoben.