Company of Heroes

Cover

Company of Heroes

Komponist*innen: Ian Livingstone, Inon Zur, Jeremy Soule

4,5 / 5
Nostalgiebonus

Drei Komponisten, zwei Soundtracks, ein Gefühl

Gut 14 Jahre ist es nun schon her, dass Publisher THQ Company of Heroes vom Entwickler Relic Entertainment auf den Markt brachte. Und bis zum heutigen Tage verfolgt mich dieses Spiel. Zum einen, weil es eines der besten, wenn nicht sogar das beste Echtzeitstrategiespiel darstellt, das mir je in die Wichsgriffel gefallen ist. Was es meiner Meinung nach in Sachen strategischem Tiefgang und Spielmechaniken hinter anderen großen Marken zurückfallen lässt – einer der Gründe, warum ich es nie im online gezockt habe – macht es mit seiner dichten Atmosphäre wieder wett.

Kaum ein anderes Strategiespiel, das ich gespielt habe, hat Gefechte so nah, so echt darstellen können. Jedes Aufeinandertreffen von Einheiten ist spannungsgeladen. Wo wir bei Command & Conquer 3: Tiberium Wars unsere Infanteriesquads unbekümmert ins Maschinengewehrfeuer schicken oder bei Supreme Commander sogar im wahrsten Sinne Truppen am laufenden Band gegen die Gegner schmeißen, zwingt uns Company of Heroes in die Mikroebene, indem es schlaues Taktieren fordert: Wo greife ich am geschicktesten an, welche Position ist strategisch wichtig und bietet meinen Squads und Panzern auch genügend Deckung? Wie setze ich die spärlichen Ressourcen ein? Welche Einheit fehlt meinen Streitkräften?

Unterstützt wird dieses Mittendrin-Gefühl auch durch das fantastische Sounddesign. Panzerschüsse klingen überzeugend wuchtig, das (zumindest im Englischen) tolle Voice-Acting bringt die Funksprüche unserer Jungs super zur Geltung – auf Distanz sogar stilsicher mit Verbindungsrauschen. Und wenn das feindliche Maschinengewehr Salve um Salve ins Feld verballert, kann man schon nachvollziehen, warum unsere Jungs gerade die Marschanweisung ignorieren und stattdessen lieber mit dem Gesicht den Schlamm erkunden. Unterstützt wird der Weltkriegs-Wumms von einem schönen Soundtrack, den – und damit schließt sich der Kreis – ich auch heute noch gerne höre.

Der Score

Der OST für Company of Heroes wurde in zwei Alben veröffentlicht: Das für mich bessere weil actiongeladene Songs from the Front mit 36 Tracks sowie das häufig zu ruhige All Heroes Rise mit 25. Weil beide aber zum gleichen Spiel gehören und keine Songs zweimal auftauchen, behandle ich beide Scores in dieser Review wie einen zusammenhängenden OST – Puristen mögen es mir verzeihen. Gut, da das jetzt geklärt ist, kommen wir zu den Verursachern.

Für den Score haben sich gleich drei Schwergewichte zusammengetan: Ian Livingstone, Inon Zur und Jeremy Soule. Die Namen sollten Besuchern dieses Blogs bekannt vorkommen, sind doch zumindest zwei der Genannten in meinen Augen echte Könner. Aber auch ‚Newcomer‘ Ian Livingstone zeigt seine Qualitäten und kommt im Schnitt trägt sogar den Siegerpokal nach Hause. Denn für eine objektiv subjektive Bewertung habe ich spaßeshalber die durchschnittliche Track-Bewertungen der Künstler errechnet. Demnach kommen Zur (10 Tracks) und Soule (26 Tracks) jeweils auf eine durchschnittliche Bewertung von 2,5, Livingstone (25 Tracks) räumt dagegen mit im Schnitt 3,92 richtig ab. Aber Zahlen alleine sagen ja ohne Begründung nichts aus. Kommen wir nun also zur eigentlichen Review.

Kurze Erinnerung: Wir befinden uns im 2. Weltkrieg und spielen einen Großteil der Kampagne auf Seiten der Alliierten, überwiegend der Amerikaner. So ist es wenig verwunderlich, dass schon ab dem ersten Track die musikalische Verwandtschaft zu Filmen und Serien wie Saving Privat Ryan oder Band of Brothers ersichtlich wird. Track 1, Sunrise on the BattlefieldJeremy Soule4 von Soule, weckt zunächst Erinnerungen an die Arbeiten seines Bruders Julian Soule für Star Trek: New Worlds. Mit einer Kombination aus Streichern und Bläsern wird eine Form von Erdung erzeugen, das geistige Bild einer morgendlichen Landschaft formt sich. Nach knapp einer halben Minute erheben wir uns dann in bester Elder Scrolls-Manier mit helleren Klängen über das Geschehen, blicken hinaus in die Weiten, die Geschichte kann beginnen.

Bleiben wir an dieser Stelle doch mal bei Soule. Sein wiedererkennbarer Stil und die damit verbundene Ähnlichkeit zu anderen Scores lässt sich in diesem OST häufig finden. Ein ums andere Mal fühlt es sich an, als würde man Bekanntes mit Weltkriegs-Twist zu Ohren bekommen. Ruthless TacticJeremy Soule3 mit seinen marschigen Rhythmen gleicht Supreme Commander, Clash of SwordsJeremy Soule4 und Skirmish in the WoodsJeremy Soule5 The Elder Scrolls IV: Oblivion. Das kann nerven, mir gefällts. Abseits davon gibt’s leider nur viel Ambient-Kram, der ingame funktioniert, aber nicht außerhalb davon. Wie zur Versöhnung steuert er aber auch mit dem namenlosen Track UntitledJeremy Soule5 das akustische Highlight des Scores bei.

Für die Recherche dieser Review bin ich über die englischsprachige Soundtrack-Seite VGMO gestolpert, die ebenfalls Reviews verfasst. Glücklicherweise stimmt meine Einschätzung diesbezüglich mit der von Emily McMillan überein, weshalb ich ihr an dieser Stelle die fachliche Beschreibung überlasse:

Soule schließt diesen Soundtrack [Songs from the Front] mit dem phantasievoll benannten UntitledJeremy Soule5 ab, das ähnlich wie der Anfang klingt – hell, komplex und emotional. Es beginnt mit einem Streichermuster, das sich schließlich zu einer Gegenmelodie entwickelt, die von einem Horn untermalt wird, das kurz darauf einsetzt und ein wunderschönes Thema einleitet, das im weiteren Verlauf des Stücks sowohl eine Entwicklung als auch Variationen durchläuft, bis es schließlich seinen stärksten Punkt mit dem Einsetzen eines Chorgesangs der Melodie erreicht.

Emily McMillan über UntitledJeremy Soule5

Wer möchte, kann auch gerne den restlichen, sehr schön geschriebenen Artikel lesen, in dem noch etwas mehr ins Detail gegangen wird, auch wenn ich mit dem Fazit nicht ganz d’accord gehe.

Nach Soule komme ich kurz zu Inon Zur, der mit mageren 10 Tracks den kleinsten Teil zum Hörvergnügen beiträgt und auch punktetechnisch wenig rausreißt. Hier hören wir größtenteils Bekanntes, manches klingt wie Fallout, anderes wie Dragon Age oder Baldur’s Gate. Das ist an sich nichts Schlechtes, aber durch die kurzen Dauern, teils unter einer Minute, bleibt folglich wenig Zeit zur Motiventwicklung. Dadurch fühlen sich seine Kompositionen eher wie Füllwerk ohne wirklichen Inhalt an. Dies ist auch einer meiner größten Kritikpunkte, bei denen ich mit McMillan übereinstimme: Generell sind die Stücke viel zu kurz. Bei einer Gesamtdauer von eindreiviertel Stunden ergibt sich bei 61 Tracks eine durchschnittliche Songdauer von knapp 1,5 Minuten. Bedenkt man nun, dass ein Drittel von ihnen nur Ambient-Tracks für die Hintergrundberieselung sind, wurde viel Potenzial verschenkt.

Und dass Selbiges vorhanden ist, beweist zu guter Letzt Ian Livingstone, der neben UntitledJeremy Soule5 von Soule die anderen Top-Tracks des OST hervorgebracht hat. Ganze 7 Stücke heimsen bei mir die volle Punktzahl ab, allen voran das fantastische The Month of Valiant EffortIan Livingstone5, das mit seinen Geigern zum Einstieg wenig Zeit zum Nachdenken lässt – Action ist angesagt. Es schließen sich Percussions an, der Marsch beginnt. Begleitet von den Bläsern entwickelt sich eine Melodie, die antreibt, bevor bei 0:45 das gesamte Orchester aufspielt und von Epos und heroischen Anstrengungen – daher der Name – kündet. Ein fantastisches Theme, von denen ich mir in dem 61 Tracks starken Album mehr gewünscht hätte.

Wie auch von On Guard for LibertyIan Livingstone5, das uns ebenfalls „Für Volk und Vaterland!“ entgegenzuschreien scheint. Hier ist besonders schön, dass ab 0:50 das Leitmotiv von Livingstones Kompositionen zum Vorschein kommt und zumindest diese Tracks verbindet. So hören wir es erneut beim herrschaftlich klingenden King and CountryIan Livingstone5 (Min 1:08), der Ouvertüre des wundervollen, nur knapp hinter UntitledJeremy Soule5 zurückstehenden A Company of HeroesIan Livingstone5 ab Min 0:27 sowie dem klagenden, aber nicht minder heroischen To Those Who RestIan Livingstone5 (Min 0:37).

Das scheinbar nicht mehr Kooperation zwischen den drei Künstlern stattfand, ist beklagenswert und erinnert mich an die Musik der Harry Potter-Filme, bei denen sich jeder neue Komponist immer weiter von John Williams bekannten Motiven entfernte, bis sie am Ende akustisch die Austauschbarkeit eines x-beliebigen Teenystreifen hatten. Livingstones dominantes Thema ist toll, das Wiederentdecken in den Tracks macht Spaß. Dem gegenüber klingen Soules und Zurs unzusammenhängende Tracks fast schon altbacken und eingefahren. Frische Ideen wie March of the Black BootsIan Livingstone5 wiederum setzen selbst innerhalb des recht gleichförmigen Weltkriegs-Militär-Tropen Akzente und auch scheinbar langweilige Lückenfüller können wie Waiting for the DropIan Livingstone5 spannend gemacht sein.

Was bleibt ist ein Sammelsurium von actionreichen und bedächtigen Tracks im Weltkriegsgewand, vergleichsweise viel langweiliges Ambientgedudel und drei Komponisten, die nicht zueinander gefunden haben. Der Soundtrack insgesamt funktioniert zwar, hätte mit Blick auf das Potenzial aber so viel besser sein können. Wäre man zynisch, könnt man auch sagen, dass der eigentliche Soundtrack von Livingstone alleine stammt – aber so bin ich nicht. Ich mag das Gesamtwerk und höre es heute immer noch gerne, weil’s halt doch irgendwie ganz gut gemacht ist.

01
Sunrise on the Battlefield
Jeremy Soule
4 02:20
02
Tales of the Front
Ian Livingstone
2 01:10
03
The End of B Company
Ian Livingstone
2 00:46
04
Survival Most Unlikely
Ian Livingstone
1 01:59
05
Courage to Stand
Inon Zur
3 02:50
06
The Month of Valiant Effort
Ian Livingstone
5 01:50
07
Ruthless Tactic
Jeremy Soule
3 01:35
08
At What Cost
Ian Livingstone
4 00:28
09
On Guard for Liberty
Ian Livingstone
5 01:57
10
Clash of Swords
Jeremy Soule
4 01:37
11
The Measure of One's Worth
Ian Livingstone
4 01:13
12
Danger on All Sides
Jeremy Soule
1 01:02
13
A Selfless Action
Ian Livingstone
4 01:04
14
Crossing the Rotting Battlefield
Jeremy Soule
2 00:52
15
All Plans in Motion
Ian Livingstone
4 01:01
16
Invasion by Moonlight
Jeremy Soule
2 00:56
17
Last Acts
Ian Livingstone
4 00:34
18
Critical Push
Ian Livingstone
5 00:49
19
Breaking Out
Ian Livingstone
4 01:26
20
Counter-Attack
Ian Livingstone
4 01:57
21
They're Out There Somewhere
Inon Zur
3 02:00
22
In the Eye of a Sniper
Inon Zur
1 02:42
23
Shattered
Jeremy Soule
3 02:59
24
Pushing the Lines
Jeremy Soule
3 02:57
25
Desperate Measures
Jeremy Soule
3 01:28
26
Skirmish in the Woods
Jeremy Soule
5 01:15
27
March of the Black Boots
Ian Livingstone
5 01:58
28
King and Country
Ian Livingstone
5 01:58
29
Opposing Fronts
Ian Livingstone
4 01:17
30
Trading Shells
Jeremy Soule
3 03:10
31
Planning of Fates
Ian Livingstone
3 00:45
32
Silent Battlefield
Jeremy Soule
2 02:44
33
Tiger in the Mist
Jeremy Soule
1 03:57
34
A Company of Heroes
Ian Livingstone
5 01:51
35
To Those Who Rest
Ian Livingstone
5 01:15
36
Untitled
Jeremy Soule
5 02:54
37
Twilight on Approach
Inon Zur
4 01:17
38
Surveying the Enemy
Jeremy Soule
4 01:05
39
Black Swarm
Inon Zur
3 02:02
40
Planning for Darkness
Ian Livingstone
3 02:26
41
Hunting the Hunter
Ian Livingstone
3 02:16
42
Blood in the Water
Jeremy Soule
1 00:20
43
Waiting for Those Who Will Not Return
Jeremy Soule
1 02:09
44
Marching for Vengeance
Jeremy Soule
2 03:22
45
Swiftly, Silently
Inon Zur
2 02:38
46
The Storm Approaches
Jeremy Soule
2 02:06
47
Cautious Advance
Jeremy Soule
3 01:32
48
The Wake of Battle
Ian Livingstone
3 01:02
49
Silent Call to Action
Ian Livingstone
3 01:49
50
Lit by the Fires of Battle
Jeremy Soule
1 01:27
51
Dark Desperation
Jeremy Soule
1 00:24
52
Peace at What Cost
Inon Zur
1 00:54
53
The Heavy Price of Victory
Inon Zur
1 01:01
54
A Moment of Clarity
Jeremy Soule
1 01:42
55
For Those Who Weren't There
Inon Zur
3 00:28
56
Waiting for the Drop
Ian Livingstone
5 02:13
57
We Came in the Night
Inon Zur
4 02:04
58
Push the Line
Jeremy Soule
4 01:36
59
Flash Thunder
Jeremy Soule
3 01:33
60
Ashes and Blood
Ian Livingstone
1 00:37
61
In Memory
Jeremy Soule
2 02:21

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