Battlefield 2
Battlefeeld
Und dann, als ich auf vollkommen legale Weise an eine Sicherungskopie der CD kam, dieser Schmerz, als ich feststellen musste, dass der Taktikshooter von Dice keine Bots unterstützte. Wo ich mir in Counter-Strike: Source die Nächte im Kampf gegen Dave, Gabe und Eric um die Ohren schlagen durfte, konnte ich bei Battlefield 2 lediglich über leere Karten laufen und noch nicht einmal Flaggen erobern, da nicht genügend Spieler in der Lobby waren … deprimierend, aber es gab ja noch Star Wars: Battlefront.
Trotzdem setzte ich mich dieser psychologischen Qual immer wieder aus, wie ein Hund, der trotz strengen Elternhauses hofft, doch noch etwas Essen vom Tisch zu bekommen. Natürlich tauchten nicht wie durch ein Wunder irgendwann Onlinelobbys im internetfreien Haus meiner Eltern auf, egal wie sehr ich es mir wünschte. Doch dieses selbstauferlegte Martyrium hatte auch etwas Gutes: den Soundtrack.
Der Score
Wer im Internet nach der Musik von Battlefield 2 sucht, wird auf Seiten wie dem Fan-Wiki feststellen, dass der Soundtrack dort mit 18 Tracks ausgewiesen wird. In dieser Review werde ich aber nur zehn auflisten. Was ist da los? Unterschlägt Mattis hier etwas ‚ohralen‘ Genuss? Niemals! Stattdessen wurde ich wieder mal Opfer seiner Pedanterie und habe acht Tracks auf die dazugehörigen Erweiterungen Special Forces und Euro Force aufgeteilt.
Somit fällt der OST des Hauptspiels umfangstechnisch noch überschaubarer aus, allerdings sind unter den verbleibenden Stücken zwei Lieder, die mich auch heute noch wohlig im Gamingsessel versinken lassen – aber der Reihe nach. Komponiert wurden die zehn Stücke von Fredrik Englund, David Tallroth und Jonas Östholm, die abseits dessen nirgendwo in Erscheinung getreten sind. Aus heutiger Sicht eine erfreuliche Fügung, immerhin sollten spätere Musikschreiber wie Johan Skugge, Jukka Rintamäki und Mikael Karlsson der Battlefield-Marke noch spannende Facetten verpassen.
Trotzdem bleibt auch der Battlefield 2 Gamerip etwas Besonderes. Hier müssen wir nur die sechs superkurzen fraktionsspezifischen Sieg- und Niederlage-Themes ausklammern, denn die sind ultimativ unerheblich. Schauen wir uns stattdessen die vier wichtigen Tracks an: Menu MusicFredrik Englund, David Tallroth, Jonas ÖstholmBattlefield 2 ist eine urtypische Multiplayer-Lobby-Mucke, die mit ihren groovigen Streichern und SFX ein wenig an Splinter Cell erinnert – okay, aber kein Hinhörer.
Das China Loading ThemeFredrik Englund, David Tallroth, Jonas ÖstholmBattlefield 2 ist pures Asiabingo und fällt ebenso wenig durch seine Kreativität oder Einzigartigkeit auf. Wäre es nicht wegen des kurzen Battlefield-Theme-Intermezzos in der Mitte, der Track hätte auch Command & Conquer: Generals entliehen sein können. Immerhin konsequent stereotyp ist US VictoryFredrik Englund, David Tallroth, Jonas ÖstholmBattlefield 2 ein kurzes Aufspielen der amerikanischen Nationalhymne Star Spangled Banner … gleiches Recht für alle. Bleiben noch zwei Tracks, namentlich MEC Loading ThemeFredrik Englund, David Tallroth, Jonas ÖstholmBattlefield 2 und Armored Fury / US Loading ThemeFredrik Englund, David Tallroth, Jonas ÖstholmBattlefield 2.
Die sollen jetzt so besonders sein? Mais oui! Da ich über die beiden schon in meiner Top 10 Battlefield-Scores-Liste geschrieben habe, wiederhole ich mich an dieser Stelle gerne:
Die US Loading-Variante kennen wir dabei schon, denn es ist – Trommelwirbel – eine Variation des altbekannten Battlefield-Themes aus 1942, dieses Mal mit ein paar schmissigen Vocals und etwas mehr SFX-Bling Bling. Dem gegenüber steht das für diesen Teil originäre MEC Loading ThemeFredrik Englund, David Tallroth, Jonas ÖstholmBattlefield 2, das mit seinem arabisch angehauchten Zusammenspiel aus Zithern, Streichern und der konträren E-Gitarre einfach unfassbar bockt. Wer da vor dem Ladebalken keinen Bauchtanz mit anschließendem Luftgitarrensolo hinlegt, ist für mich gestorben.
aus Top 10 Battlefield-Scores
Die Lieder machen beide einfach unglaublich viel Spaß, auch wenn hier wieder die Nostalgie aus mir sprudelt. Auch möchte ich betonen, dass selbstredend auch hier groß die Tropenkeule geschwungen wurde und die bösen MEC-Terroristen natürlich orientalisch klingen – es ist immer noch 2005, vier Jahre nach dem 11. September. Das kann einem heute sauer aufstoßen, ich trenne an dieser Stelle bewusst Track und Implikationen. Mir macht der MEC Loading ThemeFredrik Englund, David Tallroth, Jonas ÖstholmBattlefield 2 einfach Laune, sei es nun mit virtuellem Maschinengewehr in der virtuellen Hand… oder beim Kochen.

Fazit
Trotz einer Menge musikalischem Füllmaterials und manch fragwürdiger Klischees zünden die wenigen echten Highlights auch heute noch so gewaltig, dass ich meinen Frust über das verpasste Spielvergnügen von damals glatt vergessen. Unterm Strich bleibt ein ungeschliffenes, aber charakterstarkes Klangzeugnis, das eindrucksvoll beweist, wie zwei geniale Melodien ausreichen, um eine ganze Ära akustisch unsterblich zu machen.