Tomb Raider
Sprung ins Abenteuer
Dabei wurde das Genre der Action-Adventures nicht nur spieltechnisch für eine erwachsenere Zielgruppe attraktiver gemacht; nein, besonders die männliche Gamerschaft bekam mit Protagonistin Lara Croft Pixelerotik im Dreieck-Look serviert. Ich kam damals leider nicht in den Genuss, selbst spielen zu können, sondern war dazu verdammt, anderen beim Zocken zuzuschauen, … bis dann irgendwann die Eltern reinkamen und hastig Hugo im CD-Laufwerk landete. Nein, nicht der Prosecco.
Der kulturelle Einfluss der Hobbyarchäologin auf die Popkultur ist heute kaum wegzudenken – ich erspare euch an dieser Stelle den üblichen Verweis auf das Musikvideo der Ärzte. Und dank des sehr guten Reboots von 2013 ist Tomb Raider bis heute relevant. Meinen Einstieg in die Reihe fand ich derweil mit Tomb Raider: Anniversary (2007), das Laras erste Abenteuer in zeitgemäßer Grafik neu erzählt und als Gratisbeilage für unsere neue Grafikkarte daherkam.
Der Score
Wie für diese Seite üblich solls hier derweil und die Musik gehen. Deren Wirkung hängt meiner Meinung nach maßgeblich davon ab, ob man das Spiel damals gezockt hat oder wie ich nachträglich reinschnuppert. Ich kann mir sehr gut vorstellen, welche Assoziationen man mit den ersten Tönen des gefühlvollen Tomb RaiderNathan McCreeTomb Raider-Themes verbindet, die ihm Hauptbildschirm erklingen. Besonders wenn man sich dazu noch das Ächzen und Stöhnen des PCs vorstellt, das Knistern der Boxen und das Flackern des Röhrenbildschirms. Schließlich geht‘s mir kaum anders, auch wenn meine Games eher Anno 1602, Die Siedler II oder Command and Conquer 2: Tiberian Sun waren.

Doch auch ohne den historischen Rahmen hat die Komposition von Nathan McCree einen gewissen Zauber. Der Komponist verbindet in dem 23-Track-langen Score hoffnungsfrohen Entdeckerdrang mit schneller Action, ohne auf den heroischen Pathos eines Indiana Jones-Films zu setzen. Dies war mit Blick auf die offensichtliche Inspiration natürlich naheliegend, der Fokus auf fast schon kindliche Neugierde sorgt stattdessen für einen angenehmen Kontrast der beiden Heroen.
Während auf der Leinwand Harrison Fords Uniprofessor auf der Suche nach sagenumwobenen Schätzen von einer Schießerei in die nächste gleitet, ist die wohlhabende Hobbyarchäologin vorsichtiger und kopfstärker unterwegs. Klar wurde auch bei Laras Abenteuern ordentlich geballert und spätestens seit Tomb Raider von 2015 nicht zu knapp, allerdings sind die Spiele naturgemäß langsamer.
Das zeigt sich in weiten Teilen des OSTs akustisch – obgleich nicht in der Länge: Denn die kommt mit knapp 19 Minuten sehr überschaubar daher. Dafür sorgen nicht nur kurzen Stinger-Einschübe (Tomb of QulaopecNathan McCreeTomb Raider, AnticipationNathan McCreeTomb Raider, DangerNathan McCreeTomb Raider, RevealedNathan McCreeTomb Raider, SecretNathan McCreeTomb Raider), sondern auch die letzten vier Stücke, die sich als Aufnahmen der Cutscenes herausstellen. Meiner Meinung nach hat das nichts in einem Soundtrack verloren, wobei die Frage, ob es sich wirklich um einen Original Soundtrack handelt, mal dahingestellt sei.
Trotzdem gibt es ein paar Highlights in der Komposition, darunter nicht zuletzt das Hauptthema, das mit einer Kombination aus Harfe, Streichern und Flöte startet, die gleichzeitig süß und bedächtig daherkommt, später dann einen kleinen Mystery-Anstrich erhält und schlussendlich durch die Vocals fast schon sphärisch wirkt … eben ganz anders als Indi. Auch schön, dass es in Stücken wie Authentic Tomb RaiderNathan McCreeTomb Raider und The City of KhamoonNathan McCreeTomb Raider erneut aufgegriffen wird – Leitmotiv und so.
Generell entfalten die MIDIs einen herrlichen Retro-Charme, wodurch das schnelle St. Francis FollyNathan McCreeTomb Raider und Miss Jacqueline NatlaNathan McCreeTomb Raider treiben wirken. Umgekehrt sind EpilogueNathan McCreeTomb Raider, Tomb BeautyNathan McCreeTomb Raider und The Plot ThickensNathan McCreeTomb Raider zurückhaltender und könnten fast aus einem der Heroes of Might and Magic-Spiele entlaufen sein. Mein persönlicher Favorit ist indes das hektische The ChaseNathan McCreeTomb Raider, dessen simpler und repetitiver Aufbau, akzentuiert durch Synthies und Bässe, diesen gewissen Nervenkitzel einer Verfolgungsjagd sehr gut einfängt.