The Saboteur

Cover

The Saboteur

Komponist*innen: Gabriel Mann, Rebecca Kneubuhl

3,0 / 5
Nostalgiebonus
3. März 2025

Le Jazz Heur

Nach meiner letzten Review über Spiele mit Nazis in Wolfenstein 3D kommen wir nun zu einem anderen Spiel mit Nazis: The Saboteur. Im letzten Projekt des Entwicklerstudios Pandemic Studios (Star Wars: Battlefront, Destroy All Humans!) stellen wir zwar keine polnische Ein-Mann-Armee dar, die sich gegen das Regime stellt. Dennoch steuern wir mit Sean Devlin, einem irischen Rennfahrer und Mechaniker, einen nicht minder wehrfähigen Charakter, der sich als namensgebender Saboteur schnell zum Mitglied der französischen Resistance mausert.

Fun Fact: Der Charakter basiert Wikipedia zufolge auf dem real existierenden William Grover-Williams, der als Agent für die britische Special Operations Executive (SOE) in Frankreich tätig war und 1943 von den Nazis gefangen und später hingerichtet wurde.

Damit seinem fiktiven Abbild dieses Schicksal nicht zuteilwird, können wir im 2009er The Saboteur das Open-World-Paris und dessen Umland nach und nach vom Einfluss der Nationalsozialisten befreien. Das klingt zwar stark nach GTA meets Assassin’s Creed – und tatsächlich beginnt in diesem Spiel erstmals spürbar die Ubisoft-Formel mit wiederkehrenden Elementen und Aufgaben Gestalt anzunehmen – doch The Saboteur hat seinen Artgenossen eine Sache voraus: Stilsicherheit.

Denn in den Bezirken, die noch unter der Herrschaft von Hitlers Helfern stehen, herrscht schwarz-weiße Tristesse, nur durchbrochen vom knalligen Gelb und Rot, wie wir es damals aus den Prototype-Spielen oder dem Film Sin City kennen dürften. Das sieht nicht nur schick aus, sondern verleiht dem Spiel (besonders im Regen) eine herrliche Melancholie. Gleichzeitig haucht die Rückkehr der knalligen Farben unseren Taten eine gewisse Genugtuung ein, wenn wir erfolgreich eine weitere Basis der Nazis sabotieren. Trotz seiner eher zweckmäßigen Story und diversen technischen Problemen hatte ich auf jeden Fall viel Spaß mit diesem Kleinod, aber das nur am Rande.

https://shared.fastly.steamstatic.com/store_item_assets/steam/apps/24880/ss_ad540bec4bbffe6029d27481d1ac60df4f88ebb2.1920x1080.jpg?t=1718287884

Der Score

Soundtrack-Zeit! Auf dem Cover stehen sie zwar nicht, nichtsdestoweniger zeichnen Gabriel Mann und Rebecca Kneubuhl für den Soundtrack verantwortlich, die in dieser Kombination schon an dem letzten Ableger der Spyro-Serie (The Legend of Spyro: Dawn of the Dragon) gearbeitet hatten. Ihre Kunst hören wir beim Gamerip von The Saboteur indes nicht, denn dessen 35 Tracks bestehen fast ausschließlich aus (mehr oder minder) zeitgenössischen Jazz-Songs des frühen 20. Jahrhunderts und ihren Instrumental-Versionen.

Videospiel-Enthusiasten sollten dementsprechend Klänge wie Somebody Nobody LovesElla Fitzgerald3 von Ella Fitzgerald Erinnerungen an die Fallout-Games wachblasen, während Vertreter der Swing-/Jazz-Abteilung, wie Koop Island Blues (feat. Ane Brun)Koop3 von Koop, Walk the WalkSteve Sidwell4 (Steve Sidwell) oder Blue ThemeRobert Farnon2 (Robert Farnon), an die Mafia– und L.A. Noire-Synapsen andocken. Die schnelleren, agentenartigen Stücke verbreiten für mich auch etwas No One Lives Forever oder Sam & Max-Vibes (Walk the WalkSteve Sidwell4 von Steve Sidwell, The Finger Points to YouMaxayn4 von Maxayn), but that just might be me.

Mit Feeling GoodNina Simone5 von Nina Simone hat sich darüber hinaus ein vielzitierter Song aus der Popkultur in den Score gemogelt, der für mich immer geht. Schön finde ich auch dessen Sprintis Remix, der als reduzierte Klavierversion mein Pianistenherz höherschlagen lässt.

https://klardendum.com/wp-content/uploads/2023/08/thesaboteur10.jpg

Das Theme stammt derweil vom Filmkomponisten Christopher Young, der primär für Horror und Thriller schreibt, unter anderem Filme wie The Grudge, Hellraiser, oder auch Spider-Man 3, und bleibt nah am melancholischen Stimmungsbild von Spiel und Restscore. In seinen knapp 1,5 Minuten schafft es das Stück aber nicht, sich besonders weiterzuentwickeln. Der Action Mix macht das Ganze auch nicht sonderlich spannender, ähnlich wie der protzige Jazz Mix. Lediglich die Piano Version bringt etwas mehr Emotionen rein, eine Topnote gibt’s trotzdem nicht.

Insgesamt ist der The Saboteur-Gamerip folglich eher eine schöne Old-School Jazz/Soul-Sammlung, die Genrefreunden sicherlich Genrefreude bereiten dürfte, während sie für andere als stimmungsvolle musikalische Untermalung der nächsten 30er-Party oder Pen & Paper-Session gereichen dürfte.

01
Koop Island Blues (feat. Ane Brun)
Koop
3 04:34
02
Somebody Nobody Loves
Ella Fitzgerald
3 03:09
03
Caravan
Ella Fitzgerald
3 03:55
04
Dance Me to the End of Love
Madeleine Peyroux
3 03:55
05
Feeling Good
Nina Simone
5 02:55
06
Feeling Good [Troublemaker Remix]
Nina Simone
4 03:00
07
Feeling Good [Sprintis Remix]
Isаac Sprintis
4 02:21
08
Walk the Walk
Steve Sidwell
4 02:17
09
Red, White & Blues
Howard Shaw
3 02:54
10
Depression Blues
Peter Cork
4 02:59
11
Smoochie Coochie
Steve Sidwell
4 01:00
12
Relaxing Risk
Ruben Ayala, Mile Deering
3 02:16
13
On the Rocks
Frank Macchia
3 05:14
14
Martini Lounge
Jan Stevens
3 02:25
15
Terrapin on a Tightrope
Jan Stevens
3 02:25
16
The Finger Points to You
Maxayn
4 02:55
17
Don't Do Me Wrong [Instrumental]
Kacee Clanton
3 02:50
18
S'Embrasser a la Plage
Charles Chemery
3 02:44
19
Quand J'tal Perdu
Allison Adams Tucker
3 03:25
20
Blue Theme
Robert Farnon
2 03:58
21
Expose
Steve Martin
3 00:59
22
Over the Moon
Deb Lyons
3 03:48
23
L'Homme Que J'Adore
Allison Adams Tucker
3 02:52
24
The Finger Points to You [Instrumental]
Maxayn
4 02:55
25
Don't Do Me Wrong
Kacee Clanton
3 02:50
26
S'Embrasser a la Plage [Instrumental]
Charles Chemery
3 02:44
27
Quand J'tai Perdu [Instrumental]
Allison Adams Tucker
2 03:25
28
Over the Moon [Instrumental]
Deb Lyons
3 03:48
29
L'Homme Que J'Adore [Instrumental]
Allison Adams Tucker
3 02:52
30
Expose [Extended]
Steve Martin
4 02:00
31
The Saboteur
Christopher Young
4 01:36
32
The Saboteur [Action Mix]
Christopher Young
3 03:37
33
The Saboteur [Piano Version]
Christopher Young
4 01:33
34
The Saboteur Intro
Christopher Young
1 00:17
35
The Saboteur [Jazz Mix]
Christopher Young
4 02:23

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert