SpellForce: The Order of Dawn

Cover

SpellForce: The Order of Dawn

Komponist*in: Dynamedion

5,0 / 5
Nostalgiebonus

Gelungener Erstversuch

Auch wenn es sich bei dem Begriff ‚Spellforce‘ um einen Neologismus handelt, den das deutsche Studio Phenomic Game Development für seine gleichnamige Videospielreihe erschaffen hat, ließe er sich auf zwei Arten übersetzen: Zauberstärke und Buchstabierkraft. Und während die letztere Version eigentlich ein geiler Begriff wäre, um das Können von Teilnehmern eines Rechtschreibwettbewerbs zu beziffern, ging es den Entwicklern wohl vorrangig um die magische Deutung.

Denn bei SpellForce geht es in die Welt Eo, die bevölkert wird von dem Fantasy-Einmaleins aus Menschen, Elfen, Orks und Zwergen sowie dem klassischen Konflikt von Gut gegen Böse. Anders als bei meinen anderen Reviews bin ich hier in der komfortablen Situation, dass ich gar nicht so viel zum eigentlichen Game sagen muss, da ich das schon getan habe! Als eines meiner ersten Bewertungserzeugnisse überhaupt lege ich deshalb gerne jedem, der mehr über das Game erfahren möchte, meine Rezension zum Hauptspiel nahe. Da das nun aus dem Weg ist, kommen wir also zum dem, was Vergangenheits-Mattis schon anno 2016 als ‚fantastisch‘ bezeichnete; kommen wir zur Musik.

Den kompositorischen Auftrag zu SpellForce: The Order of Dawn erhielten Pierre Langer und Tilman Sillescu, die 2001 die Firma Dynamedion gründeten – ein Name, den wir auch in kommenden Reviews immer wieder und hoffentlich auch noch lange lesen werden. Denn was die beiden Komponisten hier abliefern, ist Spitzenklasse. Und das trotz der Tatsache, dass es ihr erstes Werk mit ihrem Unternehmen war. Diese lobenden Töne mögen meiner Nostalgie für das Spiel geschuldet sein, aber der Score für die Erweiterung The Breath of Winter erhielt 2004 den Deutschen Entwicklerpreis für den besten Soundtrack, also kann ich nicht ganz so daneben liegen.

Der Score

Anywho, Subjektivität und so, zurück zum Besprechungsgestand. Der Soundtrack zu The Order of Dawn zählt 34 Tracks von unterschiedlicher Länge. Während die meisten zwischen einer und drei Minuten liegen, gibt es acht Ausbrecher mit einer Dauer von ironischerweise ca. acht Minuten. Warum ist das relevant? Nun, wer andere Reviews von mir gelesen hat, wird wissen, dass meine durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne und die damit einhergehende Bewertungsgrundlage der Musik für gewöhnlich nach drei bis fünf Minuten endet – das entspricht der Länge eines durchschnittlichen Popsongs oder den damaligen Wuttiraden meiner Mutter, wenn ich, ohne Hausaufgaben zu machen, an den PC gegangen war.

Anders als andere Scores mit vergleichbar langen Tracks oder die Standpauken meiner Mutter, schafft es die Musik von SpellForce hingegen, nicht zu langweilen. Wir hören hier nicht ein Thema, das sich über lange Strecken wiederholt und dabei, wenn man Glück hat, variiert, sondern eine facettenreiche, akustische Reise. Nehmen wir The ShielTilman Sillescu, Pierre Langer4 als Beispiel, das bedächtig mit seinen Trommeln und Strings eine leise Melodie beginnt, die sich über die erste Minute weiter aufbauscht, durch Bläser erweitert und durch Vocals als etwas Erhabenes abgerundet wird. Kurz darauf bricht die Melodie ab, zieht sich zurück, wir hören leise ein Zupfinstrument. Plötzlich Dissonanzen, ein Klavier, das hektisch einzelne Töne spielt, als würde ein Ball langsam zu Boden dribbeln, dazu bedrohliche Vocals. Nun kommen düstere Flöten, harte Drums und dann … Streicher, die uns herausholen aus der Dunkelheit und zurückführen ans Licht, zu sanften Klängen, die sich ein letztes Mal steigern, bevor sie zu Ende ist. Eine emotionale Reise, die bei anderen Scores gerne drei Tracks in Anspruch genommen und keinesfalls dieses zusammenhängende Erlebnis ergeben hätte.

Das ist nur ein Beispiel für die Klasse, mit der Langer und Sillescu hier auftrumpfen und sie lässt sich problemlos auf die restlichen Tracks übertragen: Seien es die brachialen Kampftracks wie Attack of the Fist (Battle Blade)Tilman Sillescu, Pierre Langer5, Era of the OrcsTilman Sillescu, Pierre Langer5 oder Enemy at the CampTilman Sillescu, Pierre Langer5. Die ruhigen und gefühlvollen Themen, die wir meistens in Dörfern oder Städten hören wie Greyfell (Sharrowdale)Tilman Sillescu, Pierre Langer5, Welcome to LiannonTilman Sillescu, Pierre Langer5 und Greydusk ValeTilman Sillescu, Pierre Langer4. Oder aber kitschige Fantasy-Kost à la Elen’s Blessing (Elves and Angels)Tilman Sillescu, Pierre Langer5, das mit seinen Chorälen wie eine songgewordene Baumschmuserballade klingt, damit jedoch perfekt zu den grazilen Elfen passt und mich leise mitwippen lässt.

Gleichzeitig spielt der Soundtrack auch einmal bewusst mit den Erwartungen, arbeitet mit unterschiedlicher Instrumentalisierung wie Klavier und Glockenspiel, verwendet unterschiedliche Tempi, ist mal Fantasy, mal Mittelalter und dann plötzlich eiskaltes Island-Idyll. Und er scheut sich nicht davor, auch mal mit Dissonanzen zu arbeiten und folgt damit dem Vorbild des eigentlichen Spiels, das zwar auf den ersten Blick wie der typische Abstecher zu Tolkien wirkt, allerdings genug Eigenes mitbringt, um nicht bloß eines von vielen zu sein. Zumindest gilt das für mich, und so werde ich auch noch lange meine Freude mit den Tracks von SpellForce: The Order of Dawn haben sowie seinen Nachfolgern The Breath of Winter und Shadow of the Phoenix.

01
SpellForce
Tilman Sillescu, Pierre Langer
4 01:58
02
The Village of Skye (Celtic March)
Tilman Sillescu, Pierre Langer
4 02:53
03
Greydusk Vale
Tilman Sillescu, Pierre Langer
4 01:21
04
Attack of the Fist (Battle Blade)
Tilman Sillescu, Pierre Langer
5 01:54
05
On the Godwall
Tilman Sillescu, Pierre Langer
3 08:18
06
Battlefields
Tilman Sillescu, Pierre Langer
2 03:08
07
Defense of Hallit Fortress
Tilman Sillescu, Pierre Langer
3 02:14
08
Kraga and Braga
Tilman Sillescu, Pierre Langer
3 03:07
09
Era of the Orcs
Tilman Sillescu, Pierre Langer
5 01:50
10
Ice Gate Marsh
Tilman Sillescu, Pierre Langer
4 01:46
11
Liberation of the Shiel
Tilman Sillescu, Pierre Langer
3 02:58
12
Into the Darklands
Tilman Sillescu, Pierre Langer
3 03:34
13
Elen's Blessing (Elves and Angels)
Tilman Sillescu, Pierre Langer
5 03:09
14
The Windwall Mountains
Tilman Sillescu, Pierre Langer
3 08:43
15
The Red Legion
Tilman Sillescu, Pierre Langer
3 01:00
16
The Order of Dawn
Tilman Sillescu, Pierre Langer
3 01:12
17
Leafshade
Tilman Sillescu, Pierre Langer
3 08:17
18
Forbidden Zone (The Coldmark)
Tilman Sillescu, Pierre Langer
3 02:32
19
Army of the Soulforger (Ogre Battle)
Tilman Sillescu, Pierre Langer
3 01:53
20
Arrival at Farlorn's Hope
Tilman Sillescu, Pierre Langer
3 01:02
21
Enemy at the Camp
Tilman Sillescu, Pierre Langer
5 02:03
22
Greyfell (Sharrowdale)
Tilman Sillescu, Pierre Langer
5 01:37
23
Bladedancers of Eloni
Tilman Sillescu, Pierre Langer
4 01:44
24
Rune Monuments (Eo)
Tilman Sillescu, Pierre Langer
4 08:01
25
The Howling Mounds
Tilman Sillescu, Pierre Langer
3 08:31
26
Stoneblade Mountain
Tilman Sillescu, Pierre Langer
3 08:31
27
Welcome to Liannon
Tilman Sillescu, Pierre Langer
5 02:09
28
Settlements of the Rune (Eloni)
Tilman Sillescu, Pierre Langer
4 09:28
29
Windholme
Tilman Sillescu, Pierre Langer
4 01:09
30
Glory of the Light
Tilman Sillescu, Pierre Langer
3 01:21
31
The Shiel
Tilman Sillescu, Pierre Langer
4 08:06
32
The Final Confrontation
Tilman Sillescu, Pierre Langer
5 01:42
33
Runewarrior
Tilman Sillescu, Pierre Langer
4 02:03
34
Death Music
Tilman Sillescu, Pierre Langer
4 00:30

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