Indiana Jones and the Fate of Atlantis
Indiana Jones and the Fate of Atlantis
Komponist*innen: Clint Bajakian, Michael Land, Peter McConnell
Indie Jahre gekommen
Und so überrascht es auch nicht, dass das Spiel so gut wurde, dass Fate of Atlantis bis heute in einem Atemzug mit weiteren Größen wie Day of the Tentacle oder der zuvor erwähnten Geschichte um Guybrush Threepwood genannt wird. Was dagegen verwundert, ist die Tatsache, dass dieses Konzept nicht weiter fortgeführt wurde. Geschichten mit dem bekanntesten Archäologen der Welt, die nicht bloß die Storys der Leinwand erzählen, sondern davon losgelöste Kapitel – das klingt doch eigentlich nach einem perfect Match?
Vermutlich lässt es sich auf den Zeitgeist zurückführen. Point-and-Clicks, die perfekt mit den rudimentären Eingabemethoden und der damals noch arg beschränkten Rechenpower harmonierten, wurden von Action-Adventures abgelöst. 3-D statt Sidescroll, Reaktion statt Rätseln. Gleichzeitig stand vier Jahre später mit Lara Croft ein weibliches Pendant im Raum, dessen Abenteuer weniger Hirnschmalz und dafür mehr Fingerfertigkeiten verlangten. Schade eigentlich, dass mit der Renaissance alter Spielkonzepte bisher nicht auch ein neues Indie-Spiel an den Start gegangen ist. Aber hier werden sich Manager und Rechteinhaber wohl etwas bei gedacht haben.
Mir kann’s egal sein, immerhin habe ich Indies Videospielabstecher nie gezockt und wäre vermutlich auch zu blöd dafür gewesen. Schließlich besitze ich eine ungesunde Mischung aus Ungeduld, Ego und niedriger Frusttoleranz. Rätsel in Spielen? Ja, aber nur wenn sie nicht zu sehr fordern. Stattdessen möchte ich fördern! Und zwar nicht nur das Verständnis von der musikalischen Kunst in Videospielen, sondern auch ein paar Highlights … und zwar zutage. Werde ich im OST zu Fate of Atlantis auf Gold stoßen? Let’s find out.

Der Score
Mit den Opening TitlesClint Bajakian, Michael Land, Peter McConnell wird uns direkt John Williams fantastisches Theme in der Qualität des Yamaha YM3218-Soundchips entgegengetrötet. Zum Glück – oder aufgrund der Tatsache, dass eine Filmvorlage fehlt – wurden die Komponisten Clint Bajakian, Michael Land und Peter McConnell indes selbst kreativ und ergänzten das bekannte Thema mit Videospiel/LucasArtsiger Comedy, ohne zu quatschig zu werden. Das Ganze baumelt wie ein verlorener Archäologe über einer Schlangengrube und pendelt zwischen ernsthafter Abenteuergeschichte und Point-and-Click-Humor. Das bekannte ‚Da Dada Daaa‘ findet sich auch später als Zitat in Tracks wie MapClint Bajakian, Michael Land, Peter McConnell, The Azores / Mr CostaClint Bajakian, Michael Land, Peter McConnell und Farewell Dr. JonesClint Bajakian, Michael Land, Peter McConnell wieder, wird jedoch nie überreizt. Gut so.
Der Stil des Scores zeigt derweil mit seinen scheppernden Fanfaren Parallelen zu den späteren LucasArts-Titeln wie Star Wars: Dark Forces oder TIE Fighter auf, was vermutlich daran liegt, dass beim Film Williams und bei den Spielen Teile des Komponisten-Teams wieder am Werke waren. Anders als beim Krieg der Sterne bleibt der OST von Fate of Atlantis über weite Strecken deutlich bodenständiger, ohne dabei zu langweilen. Titel wie Tikal / Meeting SternhartClint Bajakian, Michael Land, Peter McConnell oder CreteClint Bajakian, Michael Land, Peter McConnell wirken ironischerweise wie aus dem Hauptmenü von Tomb Raider entliehen, während Monte Carlo / Monsieur TrottierClint Bajakian, Michael Land, Peter McConnell und Arnold the Singing NaziClint Bajakian, Michael Land, Peter McConnell ins Humoristische abdriften.
Auch das Erfüllen musikalischer Tropen wird mit Crossing the DesertClint Bajakian, Michael Land, Peter McConnell (orientalisch) oder Darkness at the Entrance of AtlantisClint Bajakian, Michael Land, Peter McConnell (Grusel) abgefrühstückt. Und mit Room of the God MachineClint Bajakian, Michael Land, Peter McConnell hat sich sogar noch ein wenig Dies Irae eingeschlichen – me gusta! Insgesamt finde ich im OST wenig Kritisierbares, die Bit-Mucke ist für damalige (und teils auch noch heutige) Verhältnisse solide, ohne nennenswerte Akzente zu setzen. Wie eine schöne Geschichte, die man schon kurz nach dem Hören wieder vergessen hat … oder dieser Artikel.




