Fallout

Cover

Fallout

Komponist*in: Mark Morgan

2,0 / 5
20. Mai 2023

Endzeitstimmung

Wer wie ich 1997 erst fünf Jahre alt war, wird mit dem ersten Fallout vermutlich ähnlich wenig Berührungspunkte gehabt haben. Folglich kann ich leider kaum etwas zu diesem Rollenspielklassiker sagen. Was hat er anders oder besser gemacht als vergleichbare Titel? Warum hat das Setting einer von der nuklearen Endzeit gezeichneten Spielwelt so gut funktioniert? Alles Fragen, bei denen ich erst ab Fallout 3 mitreden kann.

Der Score

Nun könnte ich diese Informationslücke mit einer umso ausführlicheren Review zum Soundtrack von Mark Morgan ausgleichen, scheitere dort jedoch an zwei Faktoren: der Länge und dem Style. Während sich gerade der erste Punkt noch recht gut bewältigen lässt, sieht es spätestens beim zweiten ascheregenfinster aus. Denn die 16 Tracks konzentrieren sich vornehmlich auf die Vermittlung von Ödnis, Leere und Verzweiflung, die so eine atomar verseuchte Landschaft mit sich bringt … und das ist wenig spaßfördernd.

Nun gelingt es dem OST derweil durch die interessante Auswahl an Klängen sehr gut, die titelgebende Fallout-Thematik facettenreich zu illustrieren. Was sich in vielen Alben auf ein bis zwei Stücke beschränkt, die das jeweilige Level (Industriegebiet, verseuchte Landschaft usw.) untermalt, diversifiziert Morgan diese Erfahrung über diverse Tracks und bietet so unterschiedliche Fokuspunkte im gleichen Setting – gut, das macht im Grunde jeder Score, trotzdem wollte ich das einmal rausstellen.

So dominieren beispielsweise in Metallic MonksMark Morgan2, The Vault of the FutureMark Morgan2, Vats of GooMark Morgan2 oder Follower’s CredoMark Morgan2 sphärische Synthies, die, gepaart mit industriellen Tönen, ein Bild von Zerstörung und urbanen Ruinen zeichnen. Dazu nutzt Morgan alltägliche Gegenstände wie eine Standuhr (Flame of the Ancient WorldMark Morgan2), Sonar- und Stenographen-ähnliches Piepsen und Klackern oder blechernes Scheppern, das unverständliche Funksprüche überlagert. Hinzu gesellen sich einzelne Instrumente wie Flöten, Rasseln und andere ‚simple‘ Mittel, die stets streng separat und in Disharmonie parallel existieren – ein Sinnbild für die zerrissene Gesellschaft der Überlebenden.

Dabei hält sich der Tenor der Komposition die Waage, versinkt nur selten in eine bedrohliche Anmutung, sondern wirkt eher neugierig, teils sogar positiv (Radiation StormMark Morgan1). In den Stücken A Trader’s LifeMark Morgan3, Moribund WorldMark Morgan3 und Khans of New CaliforniaMark Morgan3 bekommen wir dann einen Einblick in die primitive ‚Zivilisation‘, die sich aus den Resten der alten Welt geschält hat: Tribalartige Melodien, einfaches Musizieren.

Mein persönliches Highlight des Scores bleibt derweil City of the Dead, das mit seiner Gruselstimmung Blader Runner-esque Spannung erzeugt. Diese verzerrten Synthies, die bedrohlich ansteigen und abebben, sind innerhalb der Komposition einzigartig, was vermutlich den Grund dafür darstellt, dass sie mir so im Gedächtnis bleiben. Alles in allem ist der OST zu Fallout allerdings eher etwas für Fans, die beim Hören der Klänge zurück in die Zeit von 1997 versetzt werden – bzw. 2077.

01
Metallic Monks
Mark Morgan
2 03:27
02
Desert Wind
Mark Morgan
1 03:23
03
A Trader's Life
Mark Morgan
3 04:06
04
The Vault of the Future
Mark Morgan
2 04:04
05
Industrial Junk
Mark Morgan
1 03:27
06
Moribund World
Mark Morgan
3 03:06
07
Vats of Goo
Mark Morgan
2 03:21
09
Second Chance
Mark Morgan
2 04:06
10
Underground Troubles
Mark Morgan
2 03:56
11
City of Lost Angels
Mark Morgan
2 03:49
12
Followers' Credo
Mark Morgan
2 03:01
13
Radiation Storm
Mark Morgan
1 04:00
14
Acolytes of the New God
Mark Morgan
1 03:20
15
Flame of the Ancient World
Mark Morgan
2 03:10
16
Khans of New California
Mark Morgan
3 03:19

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert