Disney Speedstorm
Disney Speedstorm
Komponist*innen: Francis Collard, Martin Courcy, Nicolas Dubé, Vincent Labelle
Auf der Strecke bleiben
Executive 1: *schaut von einem Stapel Zettel auf* Leute, wir müssen mal wieder Kohle verdienen.
Executive 2: *kämpft sich unter einem Haufen Dollarnoten nach oben* Ja, sehe ich auch so. *spuckt eine Banknote aus* Bah, ein Tausender.
Executive 3: Wie wär’s mal wieder mit Star Wars? Oder einem Pixar-Streifen?
Executive 1: Die machen wir eh, schauen die Leute ja sowieso. Nein, mal was anderes, so mit Videospielen.
Executive 4: *zockt auf seiner Switch Mario Kart* Boah ne, keine Videospiele, voll ätzend. STIRB DONKEY – FUCK!
Executive 2: *wirft einen Goldnugget nach Executive 4* Noob!
Executive 3: Was mögen die Leute denn?
Executive 4: ICH HASSE DIESES SPIEL!
Executive 2: Rennspiele? Das ist auch voll family-friendly.
Executive 4: BLÖDER KACKSCHEISSAFFE ICH FICKE DEINE MUTTER!
Executive 3: Ja perfekt, und dann können wir da all unsere IPs reinpacken: Ralph reichts, Toy Story, Cars …
Executive 2: Kein Cars. Wie sollen denn Autos Rennen fahren?
Executive 1: Guter Punkt. Aber die Idee gefällt mir…
Executive 3: Frozen, Alles steht Kopf, Arielle, die Meerjungfrau …
Executive 4: BITTE BITTE BITTE … JAAAA!!! GEWONNEN IHR FLACHWICHSER!
Executive 3: Fluch der Karibik, Mulan –
Executive 2: Ja, wir haben’s gerafft. Okay, also ein Videospiel mit Autos ohne Autos, die Rennen fahren. Und das kommt dann für so Handys?
Executive 4: *mit hochrotem Kopf* Und die Switch bitte, da spiele ich gerne mit.
Executive 1: Okay, dann haben wir’s ja, oder? Dann nehmen wir ’ne Firma, die schon mal was für uns gemacht hat, und dann läuft das.
Executive 3: Eine Sache noch: Es muss ja möglichst alterskonform sein – ist immerhin für die ganze Family. Wie kriegen wir den Spirit transportiert?
Executive 1: Ach, ganz einfach, das wird so schön mit Knuddeloptik gemacht, dann passt das. Und – *unterbricht sich und schaut Executive 2 fragend an*
Executive 2: *nimmt die Hand runter* Musik.
Executive 1: Wie bidde?
Executive 2: Musik. Wir machen so da so Musik drunter, die die Kids aus unseren Filmen kennen, das wird mega!
Executive 3: Aber ist das noch zeitgemäß? Und für ein Rennspiel? Viele Songs passen da doch überhaupt nicht zu und –
Executive 2: Keine Sorge, I know just the guys …

Der Score
Sprung wieder in die Gegenwart zu einem Mattis, der seit gut einer Stunde konsterniert vor seiner Musikbibliothek sitzt und den Klängen von Disney Speedstorm lauscht. 25 Stücke sind es insgesamt, die vom Komponisten-Quartett Vincent Labelle, Martin Courcy, Nicolas Dubé und Francis Collard kreiert wurden. Qualitativ hat er dabei gar nichts auszusetzen, die Musik ballert genrekonform aus den Lautsprechern und er kann sich sehr gut vorstellen, wie das beim Rennen antreibt.
Allerdings sitzt er respektive ich nicht vor dem Spiel, sondern hört die Songs seiner Jugend in einer Version, die man auf einer Smash-CD vor 20 Jahren vermutet würde. Es ist, als hätten sich die Komponisten ein Best-of der Disney-Tracks genommen und bekannte Stücke wie Probier’s mal mit Gemütlichkeit oder Let It GoVincent LabelleDisney Speedstorm durch den Technowolf gejagt.
Deutlichste Inspiration für den Soundtrack dürfte hierbei wohl Fall Guys: Ultimate Knockout gewesen sein, dessen quietschbunte USK-6-Partymusik dort und hier wie Arsch auf Kartsitz passt. Trotzdem, beziehungsweise gerade deshalb findet ich es umso befremdlicher, wenn so bekannte Melodien wie A Whole New WorldVincent LabelleDisney Speedstorm aus Aladdin oder I’ll Make a Man Out of YouVincent LabelleDisney Speedstorm (Mulan) als Hardcore Dubstep-/Electro-Adaption erklingen – mehr zur Entstehung gibt’s in diesem Behind-the-Scenes-Video.
Fazit
Ich weiß, ich bin nicht die Demografie, der dieses Spiel und der dazugehörige Soundtrack gewidmet sind, aber es fühlt sich falsch an, obwohl es eigentlich genau richtig ist: Wiedererkennbarkeit durch bekannte Songs, gekonnt adaptiert für die Rennstrecke. Da können sie meiner Meinung nach auch bleiben, mich holt der Score leider nicht ab.