Colin McRae Rally 2.0
Colin McRae Rally 2.0
Menümusik als Zeitmaschine
Wenn Colin McRae Rally für mich vor allem ein abschreckend klares Statement war, dann ist Colin McRae Rally 2.0 der Punkt, an dem ich zumindest verstehe, warum diese Reihe so viele Menschen nachhaltig geprägt hat. Nicht, weil ich plötzlich Gefallen am Rallye-Sport gefunden hätte, sondern weil die Musik hier erstmals eine emotionale Ebene erreicht, die über reine Funktionsuntermalung hinausgeht.
Während der erste Teil musikalisch kaum Spuren hinterlässt, ist 2.0 mit satten 14 Tracks der am stärksten vertretene Eintrag innerhalb Jonathan Collings später veröffentlichter Compilation. Und das merkt man. Die Stücke sind nicht nur zahlreicher, sondern auch variantenreicher: alternative Versionen, FMV-Tracks, längere Arrangements. Hier scheint jemand gespürt zu haben, dass er musikalisch auf fruchtbarerem Boden unterwegs ist.
Der Stil bleibt elektronisch, klar im UK- und Euro-House der Jahrtausendwende verankert, wirkt aber deutlich lebendiger als noch im Vorgänger. Die Beats sind schneller, direkter, stellenweise sogar richtig treibend. Gerade das Colin McRae Rallye 2 Theme [Original] und die alternative FMV-Version besitzen eine Energie, die mich zumindest kurzzeitig aus meiner grundsätzlichen Gleichgültigkeit gegenüber dem Spielkonzept reißt. Das ist Musik, die Bewegung verheißt.
Und trotzdem bleibt auch hier eine gewisse Distanz. Für mich klingt vieles nach Menümusik im besten Sinne: einladend, atmosphärisch, aber nicht zwingend motivierend. Es ist leicht vorstellbar, warum Menschen schreiben, dass sie CMR 2.0 heute weniger wegen des Fahrens starten als wegen der Musik. Diese Tracks funktionieren wie eine akustische Zeitmaschine, die direkt in Kinderzimmer, Röhrenfernseher und lange Nachmittage zurückführt.
Mir fehlt diese persönliche Verankerung. Ohne eigene Erinnerungen bleibt der Score für mich ein stilistisch solides, stellenweise sehr gelungenes Produkt seiner Zeit – mehr jedoch nicht. Die Nostalgie, die für viele alles zusammenhält, kann ich nur von außen betrachten. Was für andere emotionale Überforderung ist, bleibt für mich analytisches Nicken.
Colin McRae Rallye 2.0 markiert damit den musikalischen Höhepunkt der frühen Reihe, zumindest gemessen an Umfang und Wiedererkennungswert. Es ist der erste Teil, bei dem ich verstehe, warum die Musik bis heute so vehement verteidigt wird. Lieben werde ich sie trotzdem nicht – aber ich erkenne an, dass hier mehr passiert als bloße Geräuschkulisse.





