Need for Speed: Hot Pursuit 2
Heiße Tracks, die mich bis heute verfolgen
Intros mit quietschenden Reifen, satte Motorengeräusche und schicke Karosserien: Need for Speed war Anfang der 2000er die Vorzeigemarke für Arcade-Racing-Spaß – zumindest in meiner Wahrnehmung. Zugegeben: Als Kind war ich damals leichter zu begeistern und kannte die (Rennspiel-)Frühzeit am Spielautomaten mitsamt Klötzchengrafik nur aus Erzählungen der „Alten“.
Eine meiner frühesten Erinnerungen an das Genre ist das brutale Motorradrennspiel Road Rash, das mit Meshes, Sprites und Parallax-Effektendie Illusion von vorbeirauschenden Landschaften und Städten erschuf. Stoßstangendicht gefolgt von meinem ersten NfS, dem insgesamt dritten Teil der Serie: Need for Speed III: Hot Pursuit. Das konnte ich sogar mit meinen Bruder im Splitscreen spielen, was zu den wildesten Konstruktionen zum Verdecken des Bildschirms führte, um Schummeln zu verhindern … Good Times.
Der – nach High Stakes und Porsche Unleashed – indirekte Nachfolger Need for Speed: Hot Pursuit 2, um den es in dieser Review geht, lag 2002 bei mir unter dem Weihnachtsbaum und dominierte für die folgenden Wochen den Bildschirm meines (bzw. unseres) PCs. Die rasanten Verfolgungsjagden zwischen exotischen Rennboliden und nicht minder potenten Polizeikarossen inklusive Helikopterverstärkung waren ein Riesenspaß. Dass die Luftunterstützung mit dem Abwurf von Explosivfässern nicht ganz dem Polizeikodex folgte, war mir egal, denn die Karriere und die Jagd nach Topzeiten waren motivierend, das Freischalten neuer Fahrzeuge stets eine Freude und das Meistern der Strecken belohnend.
Diesem Gefühl jage ich bis heute nach. Da mich die Underground-Teile mit ihrer „Wir-sind-alle-so-krasse-Gangsta“-Ästhetik und dem Tuning-Schnickschnack nie interessiert hatten, musste ich lange auf einen Nachfolger zum Räuber-und-Gendarm-Spielprinzip warten. Das acht Jahre später erschienene Need for Speed: Hot Pursuit sah zwar gut aus, konnte den Geist des Vorgängers jedoch nicht wiederbeleben. Schade!

Der Score
Man kann viel über die Sportspiele von EA schimpfen – seien es NBA, Madden oder der Genreprimus FIFA. Was sie allerdings meistens schaffen, ist es – wie GTA mit seinen Radiosendern – eine Playlist mit aktuellen und passenden Tracks zu veröffentlichen, die, simpel ausgedrückt, „Bock machen“. So bin ich durch FIFA 2013 zum Beispiel auf Kraftklub gestoßen, FIFA Football 2004 bot Songs von Kasabian und das Onehit-Wonder Jerk It OutCaesarsFifa Football 2004 [Gamerip] von Caesars. Das passt, das gefällt.
Obwohl der Vorgänger noch eigens für das Spiel komponierte Electronica-/Techno-Songs bot, wurde dieses Prinzip auch auf Hot Pursuit 2 übertragen. Und während bei FIFA und Co. die Musik primär als Hintergrundberieselung für die Menüs diente, ballerten wir nun nicht mehr mit (schönen) Eigenkompositionen und 300 km/h über die Piste, sondern eben mit lizenzierte Songs aus Metal, Rock und Elektro. In späteren Teilen wurde der Soundtrack entsprechend dem Setting und dem Zeitgeist angepasst, weshalb immer mehr Dubstep und „Wawaschwuuuppdibums“ Einzug hielten. Das kann man als Rock-Fan schade finden oder als Chance begreifen. Immerhin lässt sich mit genug Adrenalin sogar eine Geburt ertragen – besonders als Mann.
So weit sind wir zum Glück im Jahr 2002 noch nicht. In Need for Speed: Hot Pursuit 2 geben sich Post-Grunge-Banger wie Wall of ShameCourse of NatureNeed for Speed: Hot Pursuit 2 von Course of Nature oder OrdinaryThe BuzzhornNeed for Speed: Hot Pursuit 2 von The Buzzhorn die Klinke in die Hand – ebenso wie Alternative-Rock (The People That We LoveBushNeed for Speed: Hot Pursuit 2 von Bush), Nu-Metal (Goin‘ Down on ItHot Action CopNeed for Speed: Hot Pursuit 2 von Hot Action Cop), Alternative-Metal (Build Your CagesPulse UltraNeed for Speed: Hot Pursuit 2 von Pulse Ultra, Bundle of ClangMatt RaganNeed for Speed: Hot Pursuit 2 von Matt Ragan) und Trance (Cycloid) vom Komponisten des Vorgängers, Rom Di Prisco.
Ganz in dessen Stil steuert das Duo The Humble Brothers mit SphereThe Humble BrothersNeed for Speed: Hot Pursuit 2 einen weiteren Toptrack bei. Dieses und weitere ihrer Stücke sollten später auch in einer anderen Marke von EA, Die Sims, wieder auftauchen. Da gerade bei ‚echten‘ Tracks der persönliche Geschmack deutlich mehr ins Gewicht fällt, ergibt es hier wohl wenig Sinn, ins Detail zu gehen.

Fazit
Mich werden die Tracks von Hot Pursuit 2 in meiner nostalgischen Verklärung immer an die spannenden Verfolgungsjagden durch Nationalparks, Klippenstrecken und alpine Höhen erinnern. Wer noch Inspiration für die nächste Fahrt über die deutsche, von Tempolimits befreite Cross-Country-Asphalthölle sucht, findet hier vielleicht ein paar musikalische Impulse. Sollte ich mich irgendwann in einer solchen Situation befinden, wird mit hoher Sicherheit einer der Songs das Ende meiner Zeit als Straßenverkehrsteilnehmer einläuten.