Die Sims 2: Wilde Campus-Jahre
College Collage
Das Hauptspiel Die Sims 2 brachte im Vergleich zum Serienursprung Die Sims eine Menge sinnvoller Erweiterungen in das Leben der digitalen Menschlein mit der komischen Sprache. Eines der Hauptfeatures waren neben den Lebenszielen die neuen Altersstufen. Im ersten Die Sims gab es noch die Lebensabschnitte Baby, Kind und Erwachsener, und wie sich bei meiner Recherche (aka Googeln) herausstellte, wurden Babys zwar zu Kindern, alterten danach aber nicht weiter. Auch Erwachsene durchliefen keinen Alterungsprozess und starben nicht an Altersschwäche – was ich anders in Erinnerung hatte. Mandela-Effekt at its finest.
Bei Die Sims 2 gab es dagegen einen Alterungsprozess, der unsere Zöglinge durch die Stadien Baby, Kleinkind, Kind, Teenager, Erwachsener und Senior führte. Die erste Erweiterung Wilde Campus-Jahre führte als einziges Addon einen weiteren Lebensabschnitt ein: die Phase der jungen Erwachsenen. Denn wie wir in ziemlich jedem Highschool-Drama aus dem amerikanischen Schulsystem gelernt haben, ist ein Leben nichts wert, wenn man nicht das Chaos eines universitären Campus erlebt hat. Schließlich unterscheidet sich dieses fundamental von dem eines Menschen in Lohn und Brot. Wie langweilig (und teilweise sinnbefreit) ein echtes Studium sein kann, haben uns derweil die letzten (Corona-)Jahre gezeigt. Aber gut, das Spiel erschien 2005, als Bildung in den USA noch nicht als Vaterlandsverrat galt.
20 Jahre später kann ich mich an den eigentlichen Inhalt kaum noch erinnern. Ich weiß nur noch, dass wir unser Zimmer im Wohnheim (bzw. „Dorm“, wie die coolen englischsprachigen Kids sagen würden) einrichten und unter anderem nackt über den Campus „flitzen“ konnten. Da das Addon mehr Die Sims 2 versprach, war es definitionsgemäß gut und dürfte mit den heutigen Mini-Erweiterungen für Die Sims 4 den Boden wischen. Beweisen kann ich das natürlich nicht. Muss ich aber auch nicht, denn eigentlich will ich ja über den Score sprechen!

Der Score
Der Original Soundtrack stammt, wie schon die Musik von Die Sims 2, von Mark Mothersbaugh und umfasst zwölf Tracks. Tatsächlich gibt es noch ein paar weitere Stücke, die vom Album unterschlagen werden und in einem Fan-Wiki aufgelistet sind. Ich habe mir deshalb die Freiheit genommen, die beiden Stücke Simple Sim [Bonus]Mark MothersbaughDie Sims 2: Wilde Campus-Jahre und The Sims 2: University Splash Theme [Bonus]Mark MothersbaughDie Sims 2: Wilde Campus-Jahre als Bonus-Tracks in den OST aufzunehmen. Zusätzlich gibt es, wie beim Hauptspiel, noch das inoffizielle Radio Stations-Album, dessen Musik aus den diversen Radios auf und jenseits des Unigeländes schallt.
Wie es für die kommenden Scores der diversen Erweiterungen üblich werden sollte, beginnt das Album mit einer Variation des Lade-Themes (The Sims 2: UniversityMark MothersbaughDie Sims 2: Wilde Campus-Jahre). Als klassisches Arrangement ist dieser Track etwas flotter (upbeat), um das geschäftige Treiben eines Horts jugendlichen Lernens zu untermalen, beweist aber gleichzeitig, dass anders nicht immer besser ist. Mir gefällt das Original einfach besser, obwohl Wilde Campus-Jahre noch die meiner Meinung nach beste Variation abbekommen hat.
Deutlich besser gefällt mir da The Arch of the SimMark MothersbaughDie Sims 2: Wilde Campus-Jahre, das mit seinen Wah-Wahs, cembaloartigen Klängen und trötenden Bläsern lausbübisch daherkommt. Building BlocksMark MothersbaughDie Sims 2: Wilde Campus-Jahre, mein zweites Highlight, geht indes stärker in Richtung der Anpack-Attitüde des Hauptspiels und kombiniert erfolgreich Xylophon und E-Gitarre, behält durch seine kurzen Pausen jedoch eine gewisse Schwermütigkeit bei – schwer zu beschreiben. Der dritte und letzter Toptrack ist Simple Sim [Bonus]Mark MothersbaughDie Sims 2: Wilde Campus-Jahre, dessen simple Klaviermelodie Spaß macht.
Der restliche Score ist erneut quirky und experimentell. Während Shopping SpreeMark MothersbaughDie Sims 2: Wilde Campus-Jahre nach typischer Shoppingkanal-Musik klingt, wird in SIMtasticMark MothersbaughDie Sims 2: Wilde Campus-Jahre freudiges Gitarrenzupfen mit dem rhythmischen „Hu-Hu“ einer Eule kombiniert. Ja, das ergibt Sinn und klingt gar nicht so verkehrt! Die übrigen Stücke des Scores durchstreift die Gänge der „Nett“-Abteilung, packt mich aber nicht so wie die Musik des Hauptspiels. Und ich überlege die ganze Zeit, von welchem Sims-Track Look AliveMark MothersbaughDie Sims 2: Wilde Campus-Jahre die Variation ist. Falls es jemand weiß, schreibt es gerne in die Kommentare!

Bei den Radiostationen zeigt sich derweil das gleiche Bild wie schon beim Album zu Die Sims 2, was sich in den kommenden Addons fortsetzen sollte: eine wilde Mischung diverser Musikgenres, deren Vertreter*innen sich von EA davon überzeugen ließen, ihre ikonischen Songs auf Simlisch zu intonieren. Hier geben sich mir weniger bekannte Alternative-Rock-Bands wie Acceptance, Steadman und Dexter Freebish, Salsa-Spezialistin Rebeca Mauleón und auch Rapper Da Riffs die Ehre, deren Songs Geschmackssache sein dürften. Überzeugen konnte mich nur OutsiderThe DaylightsDie Sims 2: Wilde Campus-Jahre [Radio Stations] von The Daylights, das ich mir in der originalen englischen Variante direkt auf die Liste gesetzt habe.
Erwähnenswert sind zudem die swingenden Bebop- und Jazz-Tracks (Dorm BeatDarren JohnstonDie Sims 2: Wilde Campus-Jahre [Radio Stations], Mortimer’s TouchDarren JohnstonDie Sims 2: Wilde Campus-Jahre [Radio Stations], Sim on the EdgeChris BrownDie Sims 2: Wilde Campus-Jahre [Radio Stations], Simply BopChris BrownDie Sims 2: Wilde Campus-Jahre [Radio Stations], Oops-a-SimRobi KaukerDie Sims 2: Wilde Campus-Jahre [Radio Stations]), die durch ihren Style Erinnerungen an das allererste Die Sims wecken. Absolut ungeschlagen bleibt indes der Hip-Hop-Track Fly Foam de Flirt (feat. erOc)OipicsDie Sims 2: Wilde Campus-Jahre [Radio Stations], dessen krasse Gangster-Attitüde durch die Panne-Lyrics herrlich konterkariert wird. Respekt an die Künstler*innen, die bei dieser Performance nicht vor Lachen ins Mikro gebissen haben.Obwohl der OST der Erweiterung den Umfang des Hauptspiels um 40 Prozent übersteigt, fällt die Dichte an Highlights geringer aus. Grund dafür ist weniger die Qualität der einzelnen Stücke als vielmehr die Dicke der Gläser meiner Nostalgiebrille, die mir beim Anhören des Hauptspiels auf die Nase rutscht. Ich habe einfach deutlich mehr Zeit in Die Sims 2 verbracht, sodass sich die Stücke der Erweiterung nicht so tief in meinem Hippocampus vergraben konnten. Mit Ausnahme der drei Toptracks und einer neu entdeckten Band holt mich der Score weder ab, noch enttäuscht er mich. Lediglich das bescheuerte Fly Foam de Flirt (feat. erOc)OipicsDie Sims 2: Wilde Campus-Jahre [Radio Stations] ist etwas, das man gehört haben muss – oder vielleicht besser nicht: Der Ohrwurm plagt mich bis heute!

Fehler: Global Engine Snippet nicht aktiv.
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