Prince of Persia: The Sands of Time

2. Januar 2026
Sehr gut

Eine überraschend gut gealterte Geschichte aus 1001 Nacht, die schon vieles richtig macht.

Vom Verfall verschont

Jeder Gamer kennt ihn und jeder Gamer hat ihn vermutlich auch: den Pile of Shame. Ein wortwörtlicher Haufen Spiele, die er oder sie irgendwann mal spielen wollte, aber nie dazu kommt. Wie ich nicht müde werde zu betonen, harrt auch be mir ein Stapel seiner Bearbeitung. Statt mich jedoch um Neuerscheinungen zu kümmern, entschied ich mich in meinem letzten Urlaub mit dem Steamdeck, meine Spielebibliothek zu durchforsten und etwas zu zocken, auf das ich einfach Lust hatte. Die Wahl fiel aufs erste Prince of Persia – also nicht das allererste von 1989 für den Apple II, sondern den ersten Teil der „Sands of Time“-Reihe. Der erschien 2003 und damit in die wohl prägendste (Gaming-)Phase meines Lebens.

Alles an diesem Spiel schreit geradezu Nostalgie: die Grafik der Jade-Engine (benannt nach der Protagonistin von Ubisofts Beyond Good and Evil), die dem Spiel einen zeitgemäßen Retrocharme verleiht, ohne vollkommen unansehnlich zu sein; das Voice-Acting, das okay, aber nicht überragend ist; und die Steuerung, die für ihre damalige Zeit super präzise war, heutzutage aber etwas betagt wirkt. Spaß hatte ich damals natürlich, und auch heute, 22 Jahre später, weiß der offizielle Serienauftakt zu gefallen.

Weitere Spiele der Prince of Persia-Reihe

Aber worum geht’s überhaupt? Tatsächlich versteckt sich die Antwort darauf schon im Titel: Prince of Persia: The Sands of Time. Wir verkörpern den namenlosen persischen Prinzen, der bei einem Raubzug den Dolch der Zeit findet und später, durch den bösen Wesir angeleitet, den Sand der Zeit entfesselt. Dieser hüllt den ganzen orientalischen Palast ein und verwandelt die Bewohner in Sandmutanten. Nur der Wesir, die Prinzessin Farah und wir bleiben wegen unserer Zeitartefakte verschont. Unser Ziel ist klar: Wir versuchen, das Geschehene rückgängig zu machen.

Das klingt nach sehr viel 1001 Nacht … und das ist es auch. Allein schon das Setup mit dem antagonistischen Verwalter inklusive magischer Kräfte wirkt nicht umsonst wie Disneys Zeichentrickklassiker Aladdin. Aber das Setting wurde auch im Spiel selbst liebevoll in Szene gesetzt, mit kalkweißen Palastwänden, Vorhang-verhangenen Lustzimmern und Palmen-bewachsenen Gärten. Zusätzlich dazu wird die Geschichte als Erzählung des Protagonisten inszeniert: Bei jedem Abspeichern vermerkt der Prinz, er würde die Geschichte das nächste Mal von hier beginnen, und jeder Bildschirmtod wird mit den Worten „No, this is not what happened“ abgetan. Atmosphäre pur – und das für 2003.

„Rückgängig machen“ ist derweil ein gutes Stichwort, ist doch einer der Kernaspekte des Spiels die revolutionäre Rückspulfunktion, die uns der Zeitdolch ermöglicht. Wie häufig hatten und haben wir in Kletterpassagen diverser Spiele den Moment gehabt, in dem wir kurz unachtsam waren, der Sprung nicht ganz gepasst hat und wir entnervt vom letzten Checkpoint (sofern vorhanden) starten mussten?

Ubisoft Montreal hatte sich genau diesen Frustpunkt genommen und ihn ins Gameplay verwoben. Neben unserer Lebensleiste haben wir dementsprechend eine begrenzte Anzahl an Stundengläsern, die wir an bestimmten Stellen oder durch das Erledigen von Gegnern wieder aufladen. Auf diese Weise räumte Sands of Time einen der größten Kritikpunkte ab, die Spiele seiner Art zuvor aufgeworfen hatten. Gerade mit Blick aufs allererste Prince of Persia bedeutet die Möglichkeit, das eigene Ableben direkt rückgängig machen zu können, einen himmelweiten Unterschied zum (laut Internet) an Unzumutbarkeit grenzenden Schwierigkeitsgrad des Serienursprungs.

Allzu einfach wird The Sands of Time aufgrund seiner Ecken und Kanten trotzdem nicht. Allen voran das Kampfsystem. Das ist recht rudimentär und zeichnet sich eher durch Masse statt Klasse aus. So gibt es eine Handvoll Gegnertypen, die in Arenaabschnitten auftauchen und unser Vorwärtskommen erschweren. Die lassen sich durch relativ simple Muster nacheinander ausschalten, doch anders als bei modernen Games warten die Feinde nicht wie bei einem Assassin’s Creed höflich auf unsere Angriffe, sondern hauen auch gerne mal in unsere Offensive hinein. Das macht einerseits den Charme dieses ungeschliffenen Games aus, mag aus heutiger Sicht jedoch clunky wirken.

Die Kämpfe sind also nicht das, was Prince of Persia ausmacht. Nein, Stars des Spiels sind wohl sein Parcours-Gameplay und die Spielerführung. Wo wir in den frühen Tomb Raiders von A nach C nach B laufen und eigentlich zu E sollten, zeigt uns The Sands of Time durch Zukunftsvisionen und Kamerafahrten genau, wo wir lang müssen und was wir tun werden. Das mag gerade für Anfänger ein praktisches Feature sein, mich haben die ständigen Unterbrechungen indes schnell genervt, da sie dem eigenen Knobeln im Wege stehen – gut, ich habe das Spiel ja auch schon diverse Male durchgespielt.

Zum Soundtrack habe ich derweil schon eine eigene Review geschrieben, nur so viel: Die Musik ist an sich ganz cool, nur taucht sie im Spiel sehr sporadisch auf. Es gibt Abschnitte, in denen wir nur das Stöhnen des royalen Protagonisten beim Klettern hören. Stören tut das nicht.

Fazit

Auch 2025 (ja, ich lebe in der Vergangenheit!) macht Prince of Persia: The Sands of Time Spaß. Voraussetzung dafür ist zum einen, dass man das Spiel überhaupt ans Laufen kriegt. Während es an meinem PC mit Windows 11 so gar nicht funktionieren wollte, konnte ich auf dem Steamdeck trotz eigenwilligen Buttonmappings ganz gut spielen. Zum anderen muss man über die flache Story und die ständigen Begleiterpassagen hinwegsehen. Wer das kann, wird ein paar gradlinige wie unterhaltsame Stunden ohne unnötigen Sammel- und Entdeckungskram erleben. Wer eine bessere Erfahrung sucht, sollte zum 2008er Remake Prince of Persia greifen. Das macht im Grunde alles besser, hübscher und sauberer und bietet eine der schönsten Geschichten des Gamings.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert