Medieval II: Total War: Kingdoms
Medieval II: Total War: Kingdoms
Mein Königreich für einen Hit
In der Geschichte der Reihe bekam jedes der Total War-Spiele mindestens eine Erweiterung, und die waren dann meistens auch noch sehr gut: Durch Barbarian Invasion kamen neben den namensgebenden Reiterhorden auch das Element der Nachtschlachten ins erste Rome: Total War, wohingegen Fall of the Samurai die Gefechte in Shogun 2 um frühe Gatling-Maschinengewehre erweiterte.
Medieval 2 war diese Art von Addon nicht vergönnt. Stattdessen erschien mit Kingdoms (nicht zu verwechseln mit dem 2021er Total War: Three Kingdoms) eine Sammlung von vier spielbaren Kampagnen, in denen wir auf bestimmte Gebiete des Mittelalters beschränkt wurden. Während sich die Amerika-Kampagne um die Kolonialisierung eben jenes weit entfernten Festlandes drehte, geht es in der Britannien-Kampagne auf die britischen Inseln. Die beiden anderen Szenarien vertieften die Kreuzzüge und die teutonischen Religionskriege in Osteuropa.
Statt also das eigentliche Spiel zu erweitern, wurde, wie später bei der Napoleon-Erweiterung für Empire: Total War, die Karte auf einen Teil der Spielwelt beschränkt, dieser für sich dann jedoch vergrößert. In Zahlen ausgedrückt bedeutete dies 13 neue, spielbare Fraktionen, über 150 zusätzliche Einheiten, neue Agententypen und diverse spielerische Verbesserungen. Umgekehrt profitierte der eigentliche Kern des Spiels, das globale Erobern, nicht von den Neuerungen. Das nervte mich damals so sehr, dass ich nach kurzem wie primitiven Kräftemessen mit den Azteken in der Amerika-Kampagne keine Lust auf die anderen Szenarien hatte und mich wieder ins Hauptspiel vertiefte.

Entsprechend wenig Befangenheit muss ich beim dazugehörigen Soundtrack anmelden. Dieser liegt zwar nicht als OST vor, doch immerhin lassen sich vier Gamerips für die jeweiligen Kampagnen aufspüren, sodass zumindest etwas Ordnung besteht. Komponiert wurde die Musik erneut von Jeff van Dyke in Zusammenarbeit mit Richard Vaughan und James Vincent, was eine hohe Qualität erwarten lässt.
Die liefern alle vier Scores auch ab, jedoch dem Gamerip-Format geschuldet nicht auf dem Niveau des Hauptspiels. Denn während wir dort ein Potpourri mittelalterlicher Kriegsklänge und atmosphärischer Strategie-Durchdenkungs-Begleitungen hören, beschränken sich die Alben der Erweiterung primär aufs Hintergrundgedudel ohne die actiongeladenen Spitzen. Generell sind viele der Lieder Gamerip-typisch kurz, manche sogar nur wenige Sekunden lang.
So bekommen wir im Americas-Album meist primitives Getrommel serviert, was zum Setting passt, jedoch aufgrund uninteressanter Melodien alsbald eher nervt als motiviert. Rip Out My Beating Heart ist mit seiner Panflöte schnell und treibend, während Earth and Clay eher nach schamanischer Dschungel-Atmo klingt. Das entspricht so ziemlich dem, was wir schon aus dem Hauptspiel kennen, nur hat es mir da schon nicht so zugesagt. Ein ganzes Album macht diesen Umstand nicht besser.

Britannia ist da schon eine andere Hausnummer und schickt uns mit Tally-Ho direkt zum Einstieg zur Parade am Buckingham Palace – zumindest klingt es so. Der Score balanciert zwischen zackig militärisch und keltisch, featuret Dudelsack und Fidel und erinnert noch am ehesten an klassische Mittelalterkost Marke Stronghold. Sogar ein Banjo hat in Banjooie einen kurzen Auftritt. Warum? Keine Ahnung. Neben weiblichen Vocals, die bei mir Assoziationen an Enclave wecken (Celtic Tears), gibt es mit Black Garden auch einen Track mit tiefem, männlichem Gesang, der leider viel zu kurz ist. Bestes Stück des Albums ist jedoch War of Kings, das übrigens auch im Teutonen-Album auftaucht.
Bei den Crusaders wird’s mit Valley of Death derweil gleichermaßen orientalisch wie martialisch, doch enttäuschenderweise nicht so genial wie bei den thematisch verwandten Lifted to the Hotplate und Crack Your Head with a Tabla des Hauptspiels. Bei Kingdoms holt mich das stereotype (mit Verlaub) ‚Gejaule‘ der Sänger*innen wie schon bei der Civilization-Reihe so gar nicht ab, weshalb Crusaders zusammen mit Americas wohl den unteren Bereich meines persönlichen Rankings belegt.
Das Teutonic-Album schlägt indes in die Company of Heroes-Kerbe und geht, wie schon Britannia, eher in die Richtung von Marschmusik (Darker Skies Ahead). Ein spannender Ansatz, der bei mir allerdings eher Assoziationen an die Moderne als an die Ritterzeit weckt. Oder aber an stereotype Bösewichte in Fantasyspielen (Hungry Sword,Brothers Together). Irgendwie so gar nicht das, womit ich bei einem Medieval-Score rechnen würde. Wo z. B. die Orgel bei This Is It im Hauptspiel die Bedrohung gefühlvoll unterstreicht, wird sie hier bei Forest Haze plump als Vorbotin des Bösen eingesetzt, was meiner Meinung nach eher zum düsteren Fantasy-Verwandten aus der Warhammer-Reihe passt.

Ganz aus der Reihe fällt indes das Credits-Theme Lift Thine Eyes, das in jedem der Scores vorkommt und in guter alter Tradition von der Frau des Komponisten (Angela van Dyck) gesungen wird. Der Song basiert auf The Widow aus dem Hauptspiel, führt nach dem Intro jedoch futuristische Synthies ein, die an Cyberpunk oder eine Pop-Version gemahnen. Ein echter Stilbruch, den ich aufgrund des Abspanncharakters eher verschmerzen kann.
Insgesamt bleibt die Musik der Addons zu dem wohl besten Mittelalterspiel leider klar hinter meinen Erwartungen zurück und ist selbst für Fans nur bedingt empfehlenswert. Es fehlt das Durchdachte, das Besondere – oder einfach meine Nostalgiebrille.
Nostalgiewarnung
Die Wertung der einzelnen Tracks ist rein subjektiv und durch meine eigene Erfahrung mit dem Spiel deutlich gefärbt. Mehr dazu findest du in dem Artikel Über Nostalgie.
- Titel bereits im Gamerip enthalten.
- Titel bereits im Gamerip enthalten.
- Titel bereits im Gamerip enthalten.








