Darksiders III

Cover

Darksiders III

Komponist*in: Cris Velasco

4,0 / 5
Nostalgiebonus

Der Zorn der Göttin

Sieg, Krieg, Hungersnot, Tod – auf den ersten Blick klingt das wie eine ziemlich gute Line aus dem Deutschrap. Tatsächlich sind dies jedoch die biblischen Namen der vier apokalyptischen Reiter, deren Auftritt laut Überlieferung den Untergang der Erde einläuten soll. Zwei dieser Reiter kennen wir bereits aus der Darksiders-Reihe: namentlich War (Darksiders) und Death (Darksiders II). Im 2018 erschienenen dritten Teil war dann die Peitschenschwingerin Fury (Zorn) dran. Moment – fehlt die nicht in der biblischen Aufzählung?

Korrekt. Das ehemalige Entwicklerstudio Vigil Games (das nach seiner Schließung 2013 als Gunfire Games neu gegründet wurde) nahm sich einige kreative Freiheiten: Sie ersetzten Hungersnot und Sieg durch Fury und Strive (zu Deutsch: „Zwietracht“), Letzterer feierte seinen Auftritt im vierten Teil, Darksiders: Genesis. Ansonsten blieben Story und Spielprinzip den Vorgängern treu. Wir müssen also erneut ein zerstörtes New York im Metroidvania-Stil von allerlei Plagen säubern. Wie sich das spielt, könnt ihr in der zugehörigen Game-Review nachlesen.

Zum Score

Wurden wir im Vorgänger Darksiders II noch von Jesper Kyd mit pointierten und ins Fantastische abdriftenden Melodien beglückt, durfte für Teil 3 wieder Cris Velasco ran – der schon gemeinsam mit Michael Reagan und Scott Morton für den Serienauftakt komponierte. Dieses Mal ist er allein am Werk, was der Qualität der 24 Stücke des OSTs keinen Abbruch tut. Stattdessen hören wir nun viel häufiger Velascos prägnantes Orchesterwerk, dessen Markenzeichen die Kombination aus wuchtigen Trommeln und dominanten Bläsern ist.

Da er dieses bereits im ersten God of War unter Beweis stellte, liegt der Vergleich nah. Den hatte ich bereits beim ersten Darksiders bemüht und auch bei Darksiders III klingt wieder vieles nach göttlicher Kieferneujustierung. Schon der Einstieg in Fury’s ThemeCris Velasco4 verströmt dezente Kratos-Vibes, wobei hier das Geschlecht der Protagonistin durch einen dominanten weiblichen Chor unterstrichen wird. Dadurch bekommt das Stück Nähe zum Assassin’s Creed Odyssey-Score – was ja nichts Schlechtes ist.

Der Hang des Komponisten zum Brachialen kommt erwartungsgemäß besonders in den Stücken zu den Dark Souls-ähnlichen Bossfights durch, die Fury auf ihrer Reise von der wortwörtlichen Furie zur etwas gemäßigteren Alpha-Karen besiegen muss. Namentlich sind das die sieben Todsünden, weshalb sich im Score die Titel SlothCris Velasco4, WrathCris Velasco4, GluttonyCris Velasco4, LustCris Velasco4, PrideCris Velasco4, AvariceCris Velasco4 und EnvyCris Velasco4 wiederfinden. Aber auch andere Gegner wie Lord of the HollowsCris Velasco4 oder AbraxisCris Velasco4 stellen sich uns in den Weg.

Erwartungsgemäß kommen die in unterschiedlichen Ausprägungen und Variationen daher: Der Track zum unansehnlichen Schlabbermonster SlothCris Velasco4 ist wuchtig und mit Blubber-SFX versetzt, während WrathCris Velasco4 dank unbändiger Trommeln und Hörner das von mir häufig zitierte „Tribalhafte“ spendiert bekommt. Im Einstieg von LustCris Velasco4 tritt derweil nochmal deutliche Ähnlichkeit zu Isle of Creation vom ersten GoW zutage, obgleich dezente Beats hier ein bisschen Mo(r)derne in den Score bringen. PrideCris Velasco4 wartet indes mit dem Einsatz der Orgel auf.

Man merkt, dass Velascos Forte vordergründig im Erzählen von epischen Kämpfen und Dramen liegt. Zwar konnte er zuletzt in Scores wie Song of Nunu: A League of Legends Story berührendere Töne anschlagen, doch in Darksiders III will ihm das nicht ganz gelingen. Das mag beabsichtigt sein, trotzdem können Idyllen-Zeichnungen wie die Flötenstücke Ulthan und Maker’s HideoutCris Velasco3 oder das sphärische Haven CityCris Velasco3 nicht überzeugen. Andere Stücke wie das andächtige Requiem AeternamCris Velasco3 sind zwar stimmig, reichen aber nicht an die emotionale Tiefe von The Crowfather aus dem Vorgänger oder gar Valiant Hearts/Child of Lights heran.

Während Come Play with UsCris Velasco3 durch seine Spieluhr-Ästhetik etwas ‚spooky‘ scheint, können Titel wie Usiel’s BargainCris Velasco4 mit dem leichten Mystery-Flair eines Uncharted oder Indiana Jones punkten. In die gleiche Richtung schleichen auch die Flöten und Streicher in Soul GatheringCris Velasco4 – hier liegt für mich der Vergleich zu Die Mumie nahe. Die besten Stücke bleiben allerdings jene, in denen die Trommeln wummern und die Bläser schallen – am besten noch unterlegt durch düster überspitze Streicher wie in The HorsemanCris Velasco4 oder The Hollowing CeremonyCris Velasco4. Für die volle Punktzahl qualifiziert sich damit leider kein Track, doch die Qualität schließt indes nahtlos an die der Vorgänger an.

01
Fury's Theme
Cris Velasco
4 02:45
02
The Hollowing Ceremony
Cris Velasco
4 05:25
03
The Horseman
Cris Velasco
4 01:33
04
Why so Envious
Cris Velasco
4 01:16
05
Sloth
Cris Velasco
4 02:57
06
Soul Gathering
Cris Velasco
4 01:29
07
Wrath
Cris Velasco
4 04:17
08
Requiem Aeternam
Cris Velasco
3 02:14
09
Lord of the Hollows
Cris Velasco
4 02:04
10
The Submerged Realm
Cris Velasco
4 03:08
11
Gluttony
Cris Velasco
4 04:03
12
Usiel's Bargain
Cris Velasco
4 03:45
13
Illusions of Power
Cris Velasco
3 04:42
14
Lust
Cris Velasco
4 04:13
15
Vulgrim
Cris Velasco
3 01:45
16
Pride
Cris Velasco
4 03:08
17
Abraxis
Cris Velasco
4 02:06
18
Ulthane
Cris Velasco
3 01:45
19
Maker's Hideout
Cris Velasco
3 02:19
20
Come Play with Us
Cris Velasco
3 01:45
21
Avarice
Cris Velasco
4 03:08
22
The Scar
Cris Velasco
2 02:10
23
Haven City
Cris Velasco
3 03:14
24
Envy
Cris Velasco
4 04:11

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