Darkest Dungeon

Album Cover
Bewertung: 4 / 5
Nostalgiebonus
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Unheilvoll

Mitte der 2010er Jahre waren Rogue-likes und Rogue-lites längst als Genre etabliert, basieren sie doch auf dem Prinzip des 1980 erschienenen Urvaters Rogue – daher auch der Name. Trotzdem war der Begriff an sich weniger weit verbreitet und Spiele wie FTL oder The Binding of Isaac wurden häufig als „diese Art von Spielen, wo man immer wieder von vorne anfängt“ beschrieben – so habe ich es zumindest in Erinnerung. 2016 gesellte sich mit Darkest Dungeon ein weiterer Vertreter des Konzeptes dazu.

Der Umstand, dass das Spiel also aufs Scheitern ausgelegt war, interessierte mich damals zunächst wenig, hatte ich doch zuvor schon ‚schwere‘ Spiele gemeistert. So ging ich davon aus, dass ich die Credits am Ende meines ersten Runs sehen würde, und wurde schnell auf den harten Steinboden der Kerkerrealität geholt, als meine Recken einer nach dem anderen dem Wahnsinn anheimfielen und mich alsbald der Game-Over-Screen anleuchtete. Frustriert beendete ich daraufhin meine Darkest Dungeon-Karriere und habe sie seitdem auch nie wieder aufgenommen … ein Fehler?

Wenn man den Kritiken Glauben schenken darf, ja! Denn neben diversen Auszeichnungen genießt das Erstlingswerk der Red Hook Studios bis heute einen Metacritic-Score in und um den Bereich der Note 80. Was alleine schon Würdigung verdient, ist der Style und die Atmosphäre des Spiels: Dieser dunkle Cartoon-Look, dieses beklemmende Gefühl der Angst und des Terrors, wie wir ihn aus dem Lovecraft-Universum kennen, sind fantastisch. Sie waren auch der Hauptgrund, warum ich das Spiel überhaupt ausprobiert habe.

Der andere, große Pluspunkt von Darkest Dungeon ist der Score von Stuart Chatwood. Genau, eben jener Chatwood, der schon die teils fantastischen Soundtracks für die frühen Teile der Prince of Persia-Reihe komponierte. Dass neben Morgenrot-Märchen und Orient-Opus auch Grusel zu seinem Repertoire gehört, stellt er in den 18 Stücken des Soundtrack aus der Deluxe Edition gekonnt unter Beweis.

Schon der Einstieg, The Darkest Dungeon, beschallt uns mit geradezu stereotypem Hollywood-Horror, bevor wir, durch ein Orchester geführt, in die Gefilde der Dark-Fantasy-Atmosphäre gleiten. Das erinnert in seinen Ansätzen an die Diablo-Reihe und auch Darkest Dungeon führt mit Explorer the Ruins einen erwartbaren Hintergrund-Creeper ins Feld. Doch wo sich die Musik des Action-Rollenspiels die meiste Zeit vornehm im Hintergrund hält, trumpft Chatwoods Komposition durch markant inszenierte Instrumente wie Streicher und Bläser auf.

Beste Beispiele dafür sind die (meiner Meinung nach) Vorzeigestücke Mournweald Encounter und Bloodletting of the Crimson Court. Beide verschmelzen gekonnt die Horrorästhetik mit dem Rücken-gegen-die-Wand-Narrativ. Die zugrunde liegende Panik bei Mournweald Encounter in Form der schrillen Streicher wird zwar durch den durchgängig gleichen Rhythmus der Trommeln zurückgedrängt, ein Moment der Ruhe wird uns aber erst durch das Ende des Stücks vergönnt. Besagter Rhythmus fehlt derweil beim zweiten Track, der einen fast schon aristokratischen Abgang zelebriert.

Andere Titel wie Combat in the Ruins, Battle in the Warrens oder The Cover Battle gehen indes den Weg der (Dark) Fantasy und klingen durch ihren Dramafokus nach Genrevertretern wie Age of Wonders oder Heroes of Might and Magic. Wirklich überraschen tut hier nichts, doch die wuchtigen Percussions in Kombination mit den harten Streichern tun ihr Möglichstes, um Action und Ausweglosigkeit zu vermengen.

In seinen ruhigeren Momenten (The Hamlet, A Brief Respite) erinnert Darkest Dungeon derweil an The Incredible Adventures of Van Helsing oder den Diablo-Cousin Torchlight, bleibt mit seinen simplen wie bedrückend zurückhaltenden Melodien aber im Attributsbereich ‚nett‘ verortet. Durch diese Mixtur aus Angst, Aufregung und Fantastik bedient Darkest Dungeon in seiner Ausprägung eine Nische, die wenig Konkurrenz vorzuweisen hat – Blasphemous, Warhammer: Vermintide und auch Castlevania mal ausgenommen.

Für mich stellt der Score eine gelungene Brücke dar, die die Soundgestaltung früher Hack-and-Slays mit denen moderner Action-Adventures verknüpft. Er lässt uns wenig durchatmen und, um meine Freundin zu zitieren, „stresst“. Durch seine inhärente Identität aufgrund der markanten Geigen und den dominanten Trommeln ist Darkest Dungeon eines dieser runden Pakete, die man sich einfach mal anhören kann – und vielleicht sogar mit in die Pen-&-Paper-Ambient-Rotation mitaufnimmt.

Nostalgiewarnung

Die Wertung der einzelnen Tracks ist rein subjektiv und durch meine eigene Erfahrung mit dem Spiel deutlich gefärbt. Mehr dazu findest du in dem Artikel Über Nostalgie.

Deluxe Edition
Deluxe Edition
Darkest Dungeon [Deluxe Edition]
(18 Tracks)
01
The Darkest Dungeon Stuart Chatwood
★★★★ 2:46
02
The Hamlet Stuart Chatwood
★★★★ 2:58
03
Explore the Ruins Stuart Chatwood
★★ 8:51
04
Combat in the Ruins Stuart Chatwood
★★★★ 3:36
05
A Brief Respite Stuart Chatwood
★★★ 2:18
06
Battle in the Warrens Stuart Chatwood
★★★★ 1:20
07
Return to the Warrens Stuart Chatwood
★★★★ 1:22
08
Mournweald Encounter Stuart Chatwood
★★★★★ 2:25
09
Terror and Madness Stuart Chatwood
★★★★ 2:06
10
House of Ruin Stuart Chatwood
★★★★ 2:40
11
The Cove Battle Stuart Chatwood
★★★★ 4:34
12
The Final Combat Stuart Chatwood
★★★★ 5:21
13
The End Stuart Chatwood
★★★★ 1:19
14
Town in Chaos Stuart Chatwood
★★★★ 6:08
15
The Cove Battle Siren (feat. Jennifer Chao) Stuart Chatwood
★★★★ 4:36
16
Bloodletting of the Crimson Court Stuart Chatwood
★★★★★ 5:44
17
A Mocking Thirst Stuart Chatwood
★★★★ 0:56
18
Forbidden Tannin Stuart Chatwood
★★★★ 0:57

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