Baba Is You
Score Is Fitting
Hier eine kurze Liste von Dingen, die ich mag: die Menschen aus meinem Umfeld, Sommertage vorm PC, Urlaube, italienische Küche – sprich: Pizza und Nudeln und stilsichere Indie-Games. Eine ebenso kurze Liste von Dingen, die ich nicht mag: die Menschen aus dem Umfeld der AfD, Wintertage draußen, Arbeit, Koriander und Rätselspiele, für die ich zu blöd bin.
Das ebenso simpel wie genial benannte Puzzlespiel Baba Is YouArvi TeikariBaba Is You des finnischen Solo-Entwicklers Arvi Teikari (alias Hempuli) fällt leider unter meine Dislikes. Dies hat jedoch nichts mit der Qualität des Spiels zu tun. Das 2019 erschienene Indie-Projekt, das aus einem 2017er Game Jam hervorging, sieht mit seinem minimalistischen Pixel-Look fantastisch aus. Sound, Spielgefühl und Idee sind ebenfalls top. Das Mattis-Problem liegt in den eigentlichen Rätseln, für die ich einfach zu blöd bin.
Das Spielprinzip ist denkbar simpel und basiert auf einfachen Programmierabfragen. In den Leveln existieren Bedingungen, die wir so verändern müssen, dass wir das jeweilige Ziel erreichen. Wir steuern dabei die Titelfigur Baba – ein weißes, hasenähnliches Wesen mit Knubbelbeinen und Knopfaugen, das Gegenstände durch die Gegend schiebt. Bei diesen Sachen handelt es sich um Blöcke mit Funktionen und Werten, zum Beispiel „Baba“, „is“ und „you“ – daher auch der Name. Liegen diese drei Funktionen semantisch korrekt nebeneinander, ist die Funktion aktiv und wir können Baba steuern.

Würden wir nun einen der Werte verschieben, wäre die Funktion inaktiv und wir hätten verloren – zumindest theoretisch. Denn wir müssen nicht nur Baba sein! Ist zum Beispiel ein Block mit „Tree“ daneben, könnten wir diesen auf die Stelle von „Baba“ schieben und zack, spielen wir den Baum … oder direkt alle Bäume des Levels! Das Konzept des Schieberätsels, dessen Bedingungen sich durch Experimentieren verändern lassen, ist genial und lädt zum Ausprobieren ein. Gerade in den Einstiegsleveln finden selbst Logik-Neulinge schnell die Lösung. Das Gefühl, durch die richtige Kombination zum Ziel gekommen zu sein, beispielsweise indem wir Wände durchlässig gemacht haben, ist großartig.
Gleichzeitig wird das Spiel recht schnell komplex und lässt uns mehrere Charaktere gleichzeitig steuern. Ohnehin kein Experte für Schieberätsel, kapituliert mein Sudoku- und Picross-geschultes Gehirn (danke, Murder by Numbers!) spätestens dann, wenn weitere Ebenen und Bedingungen hinzukommen. Meine persönliche Unfähigkeit soll allerdings nicht die Genialität des eigentlichen Spiels in Abrede stellen. Wer Spiele wie Human Resource Machine bzw. 7 Billion Humans mag, wird hier ebenfalls Spaß haben. Wer mit Logikrätseln auf Kriegsfuß steht, dürfte hingegen schnell frustriert sein und zur Freischaltung aller Level das Internet um Rat fragen müssen – genau wie ich.

Der Score
Wie bei solchen Projekten üblich, genügte es Arvi Teikari alias Hempuli nicht, sich nur das Spielkonzept, die Rätsel, die Grafik und den Sound selbst auszudenken. Natürlich hat er – ganz im Stile anderer Solo-Entwickler wie Kan Gao (To the Moon), Toby Fox (Undertale) oder Lucas Pope (Papers, Please) – auch den dazugehörigen Score selbst komponiert. Genau hier setzt meine Kritik an: Denkt denn niemand an uns Normalsterbliche? Warum muss es solche Universalgenies geben, die alles beherrschen? Und das in einer Zeit vor KI … Spaß beiseite. Ich gönne ihnen den Erfolg, wobei es abseits dieser Vorzeigebeispiele genug Entwickler gibt, bei denen es nicht zum Durchbruch gereicht hat.
Zum Glück besitze ich einen hervorragenden Musikgeschmack (warum sonst sollte ich meine Meinung äußern?) und habe mir das dazugehörige, 19 Titel umfassende Album angehört. Das Album hat eine Spielzeit von knapp anderthalb Stunden und bleibt, wie für ein Puzzlespiel üblich, vergleichsweise unaufgeregt. Etwas zu unaufgeregt für meinen Geschmack. Der Stil entspricht der schlichten Optik von Baba Is YouArvi TeikariBaba Is You und untermalt den Pixel-Look mit Chiptune-Melodien, die E-Piano-Klänge und Synthesizer emulieren. Was unaufdringlich das Denken begleitet, gestaltet sich jenseits des Games eher als belanglos.

Das Main Theme Baba Is YouArvi TeikariBaba Is You besitzt eine nette Melodie, deren Grundstimmung auch in späteren Tracks wie Tree Is Shift – Deep ForestArvi TeikariBaba Is You aufgegriffen wird. Wirklich eingängig ist das Stück jedoch nicht. Zwar gelingt es dem Komponisten, unterschiedliche Stimmungen zu erzeugen, darunter Entspannung (Water Is Sink – The LakeArvi TeikariBaba Is You), jazzige Happiness im Transport Tycoon-Stil (On the IslandArvi TeikariBaba Is You) und sogar leichter Grusel (Leaf Is Move – Forest of FallArvi TeikariBaba Is You), wirklich interessant ist das aber nicht. Da helfen auch die integrierten Soundeffekte wie das Windrauschen in Bird Is Float – MountainArvi TeikariBaba Is You oder Baba Fear Ghost – Haunted FieldArvi TeikariBaba Is You nicht, die den halligen Chiptunes einen modernen Anstrich verleihen.
Als Kind der 90er ließ mich einzig der Track Cog Is Push – Solitary IsleArvi TeikariBaba Is You aufhorchen, dessen repetitiver Beat mich an das Lavender Town-Theme der ersten Pokémon-Editionen erinnert. Dem wurde ja nachgesagt, dass es Kinder in den Wahnsinn getrieben habe, ganz so düster wird Baba Is You allerdings nicht. Heute ließen sich vermutlich auch Vergleiche zum ähnlich (un-)spannenden Soundtrack von Balatro oder – im Falle von Crystal Is Still – Crystal CaveArvi TeikariBaba Is You – zum hervorragenden There Is No Game ziehen.
Fazit
Baba Is YouArvi TeikariBaba Is You ist ein exzellentes Puzzlespiel, dessen zahlreiche Auszeichnungen – darunter die Nominierung für das beste Gamedesign bei den BAFTAs 2020 – für sich sprechen. Die dazugehörige Musik fällt im Vergleich dazu etwas ab; sie ist ebenso stilsicher wie zweckmäßig. Die Hintergrundmusik drängt sich trotz der markanten Chiptune-Klänge nicht in den Vordergrund und sorgt für eine entspannte, motivierende Rätselatmosphäre. Sie unterstützt und stört nicht, aber eben nur beim Rätseln. Losgelöst vom Spielgeschehen kann sie jedoch nicht vollends überzeugen.