Creature in the Well

Cover

Creature in the Well

Komponist*in: Jim Fowler

3,0 / 5
Nostalgiebonus
14. März 2026

Wenn Kinder am Brunnen spielen

Jährlich erscheinen Zehntausende Videospiele, von denen der Großteil der Spielerschaft wohl nie etwas gehört hat oder hören wird. Viel zu groß ist der Medienrummel, den Double- und Triple-A-Blockbuster generieren. Vieles verschwindet in der Versenkung. Obwohl mein Pile of Shame stetig wächst und ich mir zum Ziel gesetzt habe, dieses Jahr zehn Games durchzuspielen, ist es bereits März und ich stehe noch bei null. Dabei würden sich Indie-Games wie Creature in the Well geradezu anbieten – hätte ich es nicht schon gespielt!

Denn der Titel des 2017 gegründeten US-Entwicklungsstudios Flight School Studios wurde vor Urzeiten als kostenlose Dreingabe im Epic Store verschenkt. Als Sammel- und Schnäppchenbegeisterte Person habe ich mir das Gratis-Spiel direkt gesichert und gespielt. Allzu viele Erinnerungen habe ich aber nicht mehr, sodass ich kurz im Netz nachschauen musste, was Creature in the Well überhaupt war. Lediglich der markante, kontrastreiche Comicstil, der die karge Wüstenwelt wunderschön in Szene setzt, ist mir im Gedächtnis geblieben. Damit gehört Creature in the Well zur gleichen Art von Spiel wie Gris, Limbo, ABZÛ oder Sable – Werke, von denen man sich Bilder auch unironisch als Kunst an die Wand hängen könnte.

Gänzlich vergessen hatte ich dagegen das Gameplay, das oft als Pinball-Brawler beschrieben wird. Was damit gemeint ist: Wir steuern unseren Spielfigur, wie von einem Hack and Slay gewohnt, aus der Iso-Perspektive. Unsere Gegner zerlegen wir mit Projektilen, die wir – wie bei einer Flipperautomat – mit unserer Waffe als Flipperersatz per Bande zurückschießen. Bei den Rätseln müssen wir dabei ein paar Mal um die Ecke denken, allzu kompliziert wird das Spiel aber nicht. Dadurch ergibt sich Berichten zufolge eine Spielzeit von knapp vier bis sechs Stunden.

Was es derweil mit der namensgebenden Kreatur im Brunnen auf sich hat, müsst ihr wohl selbst herausfinden – ich habe die Story vollständig vergessen. Das heißt nicht, dass sie vergessenswert war, sondern spricht nur für mein miserables Gedächtnis. Ähnlichen emotionalen Tiefgang wie bei anderen Titeln dieser Erzählstruktur darf man dennoch nicht erwarten – denn das hätte ich mir gemerkt! In einem Interview auf unrealengine.com mit Creative Director Adam Volker [https://www.unrealengine.com/en-US/developer-interviews/creating-the-beautifully-inventive-art-of-creature-in-the-well] erfährt man mehr über die Entwicklung.

Der Score

Wie es sich für ein Spiel mit der hochstilisierten Ästhetik von Creature in the Well gehört, ist auch der dazugehörige Soundtrack weniger konventionell. Die Musik des britischen Komponisten Jim Fowler, dessen acht Tracks in einem Original Soundtrack veröffentlicht wurden, bedient drei Stile: Die erste Variante besteht aus minimalistischem Lo-Fi-Synth-Gewaber in den Stücken Through the DesertJim FowlerCreature in the Well3 und Memories of the EngineersJim FowlerCreature in the Well2. Diese könnten so auch aus dem Hauptmenü eines beliebigen Sci-Fi-Spiels stammen.

Die zweite Variante bringt etwas Hektik in die musikalische Kulisse, indem den drei Stücken The LobbyJim FowlerCreature in the Well2, The TempleJim FowlerCreature in the Well3 und Facing the CreatureJim FowlerCreature in the Well4 ein schneller Beat hinzugefügt wurde. Das klingt für mich deutlich spannender, einen Innovationspreis gewinnt das Ergebnis jedoch nicht. Zuletzt rückt Fowler das Klavier in den Fokus: Im Main Theme Creature in the WellJim FowlerCreature in the Well4 sowie in The BeginningJim FowlerCreature in the Well4 und Blue SkiesJim FowlerCreature in the Well4 schlägt er bedächtige Töne an, die zwar schön anzuhören sind, ohne das direkte Spielerlebnis aber nicht vollends zünden. Und damit ist nach knapp 20 Minuten auch schon wieder Schluss.

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Fazit

So besonders Spielprinzip und Artstyle von Creature in the Well sein mögen, so gewöhnlich ist sein Soundtrack. Jim Fowler untermalt die fremdartige Atmosphäre des dystopischen Wüstenplaneten zwar passend mit industriell anmutenden Zukunftsklängen, doch trotz der Piano-Einlagen mangelt es dem Score an Wiedererkennungswert. Es schmerzt ein wenig, dass dieses Indie-Projekt nicht durch die musikalische Klasse eines Child of Light oder die Arbeit der Gruppe Berlinist (Gris, Neva) veredelt wurde. Statt eines Leuchtturms bleibt dieser Original Soundtrack Treibgut im schier endlosen Meer der Videospielmusik.

01
Creature in the Well
Jim Fowler
4 02:43
02
The Beginning
Jim Fowler
4 00:53
03
Through the Desert
Jim Fowler
3 02:02
04
The Lobby
Jim Fowler
2 02:54
05
Memories of the Engineers
Jim Fowler
2 02:51
06
The Temple
Jim Fowler
3 02:47
07
Facing the Creature
Jim Fowler
4 02:28
08
Blue Skies
Jim Fowler
4 01:35

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