Split Fiction
Split Fiction
Never change a running system
Was ist Ideenlosigkeit? Wenn man ein Problem immer auf die gleiche Art angeht? Wenn man sich ständig wiederholt? Oder vielmehr, wenn das Immergleiche auffällt? Was auch die Antwort auf diese philosophische Frage sein mag, dem Entwicklungsstudio Hazelight Studios kann man Ideenlosigkeit wohl nur beim Thema Plotgestaltung vorwerfen. Denn zum nunmehr dritten Mal erzählt eines ihrer Spiele die Geschichte um ein Paar wider Willen, das sich aufgrund der Umstände dazu gezwungen sieht, gemeinsam irgendwo auszubrechen.
Beim Erstling, A Way Out, war das noch sehr wörtlich gemeint, drehte sich die Story doch um zwei Gefängnisinsassen, die zusammen nach dem namensgebenden Ausweg suchen. It Takes Two bewegte sich dagegen in die Richtung des Fantastischen und schrumpfte das zerrüttete Ehepaar Cody und May auf Puppengröße – mehr dazu in der dazugehörigen Review. Das diesjährige Split Fiction machte dann etwas Überraschendes … nämlich genau das, was man eigentlich erwarten durfte: Ein Pärchen wider Willen muss zusammenarbeiten, um gemeinsam ein Problem zu lösen.
Im Falle von Mio und Zoe handelt es sich in diesem Fall um zwei junge Buchautorinnen, die mit ihren Ideen eigentlich nur etwas Geld verdienen wollen. Doch ein Experiment mit einer neuen VR-Technologie geht schief und plötzlich stecken sie in ihren eigenen Erzählungen fest! Das anfänglich fremdelnde Paar in Form der immer gut gelaunten Fantasy-Schreiberin Zoe und des pragmatischen Sci-Fi-Fans Mio hangelt sich dabei von Storyline zu Storyline und freundet sich im Laufe der Geschichte (natürlich) miteinander an.


Das ist im Grunde genau das, was jedes Hazelight-Spiel bisher gemacht hat, und auch das Einzige, was man dem ankreiden kann: die Erwartbarkeit. Dass im Falle von Split Fiction die paritätische Koop-Formel durch den regelmäßigen Wechsel zwischen Zauberwelt und Weltraumsaga noch deutlicher, das Erwartbare noch erwartbarer wird, ist schade, aber fällt gar nicht so stark ins Gewicht. Schließlich wurden die Kontraste der Spielwelten wieder mal herrlich herausgearbeitet.
Jeder Schauplatz, egal ob futuristisch oder fantastisch, ist abwechslungsreich gestaltet und die beiden Fähigkeiten der Held*innen, die nur in Kombination funktionieren, sorgen jedes Mal wieder für Spaß, wenn erste Ermüdungserscheinungen eintreten. Wie ein neues Call of Duty, das prinzipiell in die Kategorie Copy & Paste fällt, macht auch Split Fiction genau das, was der Vorgänger schon gut konnte. Aber anders als bei Activisions Shootermarke bekommen wir nicht das Gleiche in anders, sondern etwas Anderes in gleich. Versteht man, was ich meine, Susi?
Grundsätzlich ist es sehr verständlich, worauf du hinauswillst. Ich muss da aber etwas dazwischengrätschen. Ich hatte nicht das Gefühl der Ideenlosigkeit. Klar, das Setting, wie du es beschreibst (zwei anfangs sehr unterschiedliche Charaktere, die zusammenarbeiten MÜSSEN), ist vorhanden, allerdings wurde das Ganze von der Story so ausgeschmückt und auch mit Glitches so geändert, dass ich eher selten an It Takes Two denken musste.
Da ist nur eine Sache, an die mir mit Blick auf die Story in den Sinn kam: Assassin’s Creed … Zumindest die ersten Spielen. Eine skrupellose Firma, die Geld mit Geschichten machen möchte und etwas von den Proband*innen braucht. Bei AC wollte man die DNS und bei Split Fiction die Geschichten. Und auch bei den Gesichtern gibt es Ähnlichkeiten mit Abstergo-Mitarbeiter*innen … Vielleicht sind wir da was Größerem auf der Spur…
Wunderbar fand ich tatsächlich bei SF, dass es nicht nur dabei blieb, dass eine Person happy as fuck war, sondern beide Vorgeschichten und Psychen einen dunkleren Twist haben. Die Level waren sehr liebevoll und schön gestaltet. Ob als Hexe mit Geisterkatze, als Zahn oder als futuristische Jet-Ski-Fahrerin: Ich hatte stets das Gefühl, dass da viel Mühe und Herzblut eingeflossen sind.


Zum Gameplay
Es gab einige erfrischende und leichtere Sequenzen als Zwischen-/Extra-Level, zum, nennen wir es, Entspannen. Auch ohne große Übung seit ITT hatte SF eine tolle Spielbarkeit für mich als „anfängerische Fortgeschrittene“. Zu meinem Erstaunen fiel es mir sehr leicht, mich in den Leveln zurechtzufinden, und ich bin wohl um einiges seltener gestorben als bei It Takes Two . Dennoch war ich froh, etwas Luft zum Verschnaufen zu haben, beispielsweise als Schwein. Auch wenn das Ganze nicht gut ausgrillt … äh ausgeht, nicht wahr?


Ja, da gebe ich dir recht. Sowohl Herzblut kann man dem Spiel attestieren als auch der zugrundeliegenden Geschichte, dass sie keinen Innovationspreis gewinnen wird. Sie dient als Vehikel, um uns von einem Szenario ins nächste zu jagen – und das funktioniert. Eine Sache, die mir noch eingefallen ist und die den Frustlevel bei weniger geübten Spieler*innen senken dürfte, ist der Wegfall der Minispiele. Statt der kurzweiligen Duelle des Vorgängers gibt es nun zusätzliche Storyabschnitte, die wir gemeinsam entdecken. Statt gegeneinander also ein noch größeres Miteinander. Trotzdem schade, dass ich dich in keinem weiteren Minigame schlagen durfte.
Fazit
Und damit kommen wir zum Fazit. Ursprünglich wäre ich mit einem „Sehr gut“ gegangen, weil It Takes Two für mich eher das „Meisterwerk“ ist. Die Idee, die Welt, die Protagonisten – alles passte. Aber das Gleiche lässt sich eben auch über Split Fiction sagen. Da wäre es wohl nicht gerecht, einen Notenabzug zu geben. So bleibt der Vorgänger in meinem Herzen zwar der bessere Teil, auf dem Papier steht der Nachfolger ihm jedoch in nichts nach.